Die SRH-Klinik in Pfullendorf (Foto: Pressestelle, SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen)

Pfullendorf und Bad Saulgau sollten ambulante Zentren erhalten

Auch Zweitgutachten empfiehlt Klinikschließungen im Kreis Sigmaringen

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Der Betrieb der Kliniken Pfullendorf und Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) ist unwirtschaftlich. Das bestätigt ein zweites Gutachten, das Kreistag und Spitalfonds Pfullendorf gefordert hatten.

Die im Oktober bei der Beratungsfirma WMC in Auftrag gegebene Zweitmeinung bestätige die wesentlichen Aussagen des im September vorgestellten medizinischen Zukunftskonzeptes der SRH-Geschäftsführung, erklärten die Sigmaringer Landrätin Stefanie Bürkle und Pfullendorfs Bürgermeister Thomas Kugler (beide CDU).

WMC empfiehlt, die stationäre Versorgung in Sigmaringen zu bündeln und zeigt für Pfullendorf und Bad Saulgau Nachnutzungsoptionen auf, wie die Gesundheitsversorgung dort mit ambulanten und pflegerischen Angeboten gestärkt werden könne.

Psychiatrie soll nach Pfullendorf wechseln

Die Kreisverwaltung schlägt dem Kreistag laut Mitteilung des Landratsamtes jetzt vor, die stationäre Versorgung in Sigmaringen zu konzentrieren und die Psychiatrie nach Pfullendorf zu verlagern. Zudem soll in Pfullendorf ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eingerichtet und in Bad Saulgau das bestehende MVZ ausgebaut und durch eine Kurzzeitpflege ergänzt werden. Auch müsse die haus- und fachärztliche Versorgung im gesamten Kreisgebiet verbessert werden.

"Mit der Vielzahl an Zentren, die wir am Krankenhaus in Sigmaringen haben, bieten wir allen Kreisbürgern ein wirklich gutes Angebot, das wir nun mit der Neuerrichtung der Geriatrie und der Verlagerung von Chirurgie, Innerer Medizin und Gynäkologie aus den beiden Standorten Pfullendorf und Bad Saulgau nach Sigmaringen noch stärken wollen."

Das Zweitgutachten vom WMC bestätigt, dass alle Patienten, die bislang in den drei Häusern behandelt wurden, nach Fertigstellung des Neubaus 2023 am Standort Sigmaringen behandelt werden können. Gerade schwere Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle seien bislang schon nur in Sigmaringen oder größeren Krankenhäusern in der Umgebung behandelt worden. Der Rettungsdienst könne rasche Hilfe auch künftig leisten. Leichte Schnittwunden oder Frakturen könnten von den niedergelassenen Ärzten oder den MVZen auch weiterhin ambulant in Bad Saulgau und Pfullendorf behandelt werden.

Außenansicht SRH Klinik Sigmaringen (Foto: SWR, Moritz Kluthe)
Die SRH-Klinik in Sigmaringen soll das medizinische Angebot im Kreis bündeln. Moritz Kluthe

SRH und Kreis sollen Anteile des Spitalfonds Pfullendorf übernehmen

Ende März will laut Landratsamt der Spitalfonds Pfullendorf seine Anteile von 12,74 Prozent an der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH an die SRH und den Landkreis veräußern. Die SRH soll künftig 58,45 Prozent und der Kreis 41,55 Prozent der Anteile halten. Der Spitalfonds erhält hierfür 2,1 Millionen Euro.

Bürgerdialog am 23. Februar in Hohentengen und online

Die Gesellschafter und die Geschäftsführung der SRH-Kliniken stellen am 23. Februar die Zweitmeinung in der Göge-Halle in Hohentengen vor, die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Sie ist auch als Stream unter www.kliniken-sigmaringen.de und www.landkreis-sigmaringen.de zu sehen. Der Verwaltungs- und Sozialausschuss des Kreistags will am 14. März über das Konzept entscheiden, der Spitalfonds Pfullendorf am 17. März. Die SRH Gesundheit GmbH hat wird ebenfalls im März beraten. Damit die vorgeschlagenen Veränderungen umgesetzt werden, müssen alle drei Gesellschafter zustimmen.

Doris Schröter, die Bürgermeisterin von Bad Saulgau (parteilos), will weiter dafür kämpfen, dass in ihrer Stadt auch nach einer Klinikschließung mehr als ein Medizinisches Versorgungszentrum bleibt. Im Interview mit SWR-Moderatorin Rebecca Lüer sagte sie:

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