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Der Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems sperrt ab kommender Woche Beschäftigten, die länger abwesend waren, die Zugangsausweise. Der Grund: Schutz vor Reiserückkehrern aus Risikogebieten.

Ab kommenden Montag gelte die vorsorgliche Maßnahme. Danach würden die Zugangsberechtigungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die länger als fünf Tage im Urlaub waren oder Überstunden abgebaut haben, automatisch blockiert. Das bestätigte der Vorstandsvorsitzende Andreas Schell gegenüber dem SWR. Zuvor hatte die "Schwäbische Zeitung" darüber berichtet.

Beschäftigte, die nicht in einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) ausgewiesenen Corona-Risikogebiet waren, müssen dies dem Unternehmen per Mail mitteilen. Dann würden die Zugangsausweise sofort entsperrt. Das sei mit dem Betriebsrat so vereinbart worden.

"Wenn jemand in einem Risikogebiet war, erwarten wir, dass er einen Test auf das Virus macht. Ist dieser Test negativ, wird der Ausweis freigeschaltet."

Vorstandsvorsitzender Andreas Schell

Juristin hält Abfrage des Urlaubsgebietes für bedenklich

Die Arbeitsrechtlerin Anja Reinke von der Konstanzer Kanzlei Wirlitsch sieht die Nachfrage des Arbeitgebers nach dem Urlaubsgebiet der Beschäftigten kritisch. Wenn das Unternehmen allerdings nur frage: Risikogebiet ja oder nein, sei das in diesen Zeiten schon möglich. Einen Corona-Test, wie ihn Rolls-Royce Power Systems von den Beschäftigen erwartet, die in Risikogebieten waren, hält die Juristin hingegen für einen zu großen Eingriff.

ZF setzt auf Freiwilligkeit

Andere Unternehmen in der Region gehen einen anderen Weg. Beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen setzt man auf Freiwilligkeit. Das Unternehmen rät von Reisen in Risikogebiete ab. Wer dennoch fahre, müsse sich an die Quarantäneverordnung des Landes Baden-Württembergs halten.

Der Pharmakonzern Vetter aus Ravensburg will einen höchstens 48 Stunden alten Corona-Test sehen, sonst müssen die Mitarbeiter in Quarantäne. Eine generelle Abfrage an alle Mitarbeiter gebe es aber nicht.

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