Arzt untersucht Patienten.

Telemedizin als Lösung?

Zahl der Hausärzte im Kreis Sigmaringen nimmt ab

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Im Bereich der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte steht ein Strukturwandel bevor. Nicht alle Arztstellen können nachbesetzt werden. Das trifft auch den Landkreis Sigmaringen.

Die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte im Kreis Sigmaringen nimmt seit 2012 stetig ab. Das war am Montag auch Thema im Kreistag. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg wolle diesem Trend gegensteuern, so das Landratsamt. Waren vor zehn Jahren noch 85 Hausärztinnen und Hausärzte im Kreis Sigmaringen tätig, sind es laut Landratsamt aktuell nur noch 75.

Jeder der Hausärztinnen und Hausärzte versorge mittlerweile im Schnitt rund 1.800 Einwohnerinnen und Einwohner. Das sei mehr als im Landesschnitt. Vor allem in Pfullendorf und Bad Saulgau gebe es zu wenige Ärztinnen und Ärzte. Das liege unter anderem daran, dass immer mehr Nachwuchskräfte in Teilzeit arbeiten wollten. Außerdem gehe der Trend zur Anstellung, nicht zur selbstständigen Praxis. Besonders Kinderärzte würden von einer hohen Arbeitsbelastung berichten.

Telemedizin, Telefonsprechstunden und Pflegekräfte sollen Lücke schließen

In unterversorgten Regionen wie dem Kreis Sigmaringen möchte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg die Lücken künftig schließen: So sollen beispielsweise über zentrale Callcenter Telefonsprechstunden vermittelt werden. Sogenannte Zweigpraxen sollen außerdem ohne stetige ärztliche Präsenz, aber mit telemedizinischer Erreichbarkeit des verantwortlichen Arztes, als Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten, zur Verfügung stehen.

Außerdem sei denkbar, dass nach einer ärztlichen Diagnose auch Mitarbeitende in sogenannten nicht-ärztliche Gesundheitsberufen, etwa Intensivpflegekräfte, beauftragt werden, die weitere Behandlung zu übernehmen.

Medizinische Versorgungszentren im Kreis Sigmaringen im Aufbau

Um die medizinische Versorgung im Kreis Sigmaringen zu stärken, finden darüber hinaus verschiedene weitere Schritte im Kreis Sigmaringen statt. Ein zentraler Aspekt ist laut Kreistagsbericht beispielsweise der Aufbau eines Netzwerkes der verschiedenen Akteure im medizinischen Bereich verbindet.

Nach der Schließung der beiden Klinik-Standorte Bad Saulgau und Pfullendorf im Kreis Sigmaringen will der Kreis zudem in beiden Städten medizinische Versorgungszentren, kurz MVZ, aufbauen. In Bad Saulgau ist das MVZ im ehemaligen Krankenhaus mit den Praxen einer Allgemeinmedizinerin und eines Augenarztes teilweise bereits in Betrieb. Das in Pfullendorf soll noch aufgebaut werden. Den Aufbau von Primärversorgungszentren in Bad Saulgau und Pfullendorf unterstützt das Land mit rund 180.000 Euro.

Außerdem konnte laut Bericht eine Hausarztpraxis in Ablach bei Krauchenwies neu angesiedelt werden.

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SWR