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Die Ankündigung des Autozulieferer ZF Friedrichshafen, bis zu 15.000 Stellen abzubauen, sorgt für Entsetzen bei den Mitarbeitern. Der Gesamtbetriebsrat will um die Arbeitsplätze kämpfen.

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Der Gesamtbetriebsrat sei erstaunt und entsetzt gewesen, als er von dem geplanten Stellenabbau gehört habe, sagte der Vorsitzende des Betriebsrats bei ZF, Achim Dietrich am Freitag. "Für uns ist klar, wir werden um jeden einzelnen Beschäftigten kämpfen", so Dietrich. Man wurde überrascht und brauche nun Zeit, um eine Position zu finden. Die Pläne seien nicht vergleichbar mit dem, was ZF bisher erlebt habe.

Am Donnerstag hatte Dietrich, der Deutschen Presseagentur gesagt, dass in einem Gespräch am Vortag der Vorstand von einem Umsatzeinbruch von 25 Prozent über das Gesamtjahr gesprochen habe. "Das sind acht Milliarden Euro", so Dietrich weiter. Die Geschäfte in den ersten drei Monaten 2020 seien gut gelaufen, der April sei "grottenschlecht gewesen".

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Oberbürgermeister setzt auf Lösung mit Mitarbeitern

Die Stadt Friedrichshafen reagierte mit einer schriftlichen Stellungnahme von Oberbürgermeister Andreas Brand. Der sitzt als Vorsitzender der Zeppelin-Stiftung auch im Aufsichtsrat von ZF. Brand setzt darauf, dass eine Lösung gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern gefunden werde. Das sei der "ZF-Weg", so Brand. "Die bisherigen Maßnahmen zeugen davon: Mitarbeiter und Führungskräfte haben Kurzarbeit, Beurlaubungen und Gehaltsverzicht mitgetragen und unterstützt", schreibt Brand. Nun solle der Vorstand auf die Gewerkschaft und die Arbeitnehmervertreter zugehen.

Die ZF-Führung hatte angekündigt, zwischen 12.000 und 15.000 Arbeitsplätze in den kommenden fünf Jahren bei ZF abzubauen. So steht es in einem Brief, den ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider und Sabine Jaskula, im Vorstand für Personal zuständig, unterzeichnet haben. Den Brief erhielt die Belegschaft am Donnerstag, er liegt dem SWR vor.

ZF erwartet massive Umsatzeinbrüche

Es zeichne sich die weltweit größte Weltwirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren ab. Der könne sich auch die ZF nicht entziehen, so die Begründung des Vorstands in dem Schreiben. Es gebe derzeit keinen Spielraum mehr, um den Stellenabbau zu verhindern. Deshalb müsse das Unternehmen schnell und konsequent handeln. Von den vom Stellenabbau betroffenen Arbeitsplätzen liegt etwa die Hälfte in Deutschland.

"All dies ist leider notwendig, um ZF nachhaltig zu sichern und an die neue wirtschaftliche Realität anzupassen. [...] Als Folge des Nachfragestopps auf Kundenseite wird unser Unternehmen 2020 hohe finanzielle Verluste machen."

Schreiben des ZF-Vorstands an die Belegschaft

Die Gewerkschaft IG Metall und die Arbeitnehmervertretung seien informiert, die Detailplanung zum Stellenabbau werde in den kommenden Wochen gemeinsam ausgehandelt, heißt es zudem in dem Brief weiter.

Zu dem Brief will sich die Geschäftsleitung nicht weiter äußern. Wie ein Konzernsprecher dem SWR mitteilte, würden interne Schreiben und Informationen an die Mitarbeiter von ZF nicht kommentiert. Ob und wie einzelne Standorte vom Stellenabbau betroffen sind, auch dazu wolle man sich nicht äußern. Denn es gehe um ein Gesamtkonzept. Ziel sei es, jetzt mit den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft zu guten Lösungen für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu kommen.

ZF hat weltweit rund 148.000 Mitarbeiter

ZF beschäftigt derzeit weltweit rund 148.000 Mitarbeiter, knapp 51.000 davon im Inland. Bis Ende 2022 sind betriebsbedingte Kündigungen bei ZF an den meisten Standorten ausgeschlossen. Bereits 2019 gingen die Erlöse des Autozulieferers von 36,9 Milliarden auf 36,5 Milliarden Euro zurück. Der auf die eigenen Aktionäre entfallende Gewinn nach Steuern stürzte von 904 Millionen Euro im Vorjahr auf 350 Millionen Euro ab.

Erst kürzlich hatte ZF mitgeteilt, dass aufgrund der Corona-Pandemie Teile von Produktion und Verwaltung kontrolliert heruntergefahren würden, um unter anderem auf die ausbleibende Nachfrage von Auto- und Lkw-Herstellern zu reagieren. Mit dem ZF-Gesamtbetriebsrat wurde eine Vereinbarung über die Einführung von Kurzarbeit getroffen. Die Regelung gilt zunächst bis Juni.

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