Auf einem Tisch liegt die AfD-Wahlzeitung "Seesicht" neben der aktuellen Ausgabe des Südkuriers. (Foto: SWR, Stefanie Baumann)

Wahlwerbung sorgt für bundesweites Medienecho

Konstanzer Südkurier wegen AfD-Beilage in der Kritik

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Eine Sonderbeilage der AfD zur Landtagswahl im Konstanzer Südkurier hat ein bundesweites Medienecho ausgelöst. Viele Zeitungsleser reagierten entsetzt. Der Südkurier weist die Vorwürfe zurück.

Die mehrseitige Zeitung zur Landtagswahl mit dem Titel "AfD Seesicht" stammt nicht aus der Redaktion des Südkuriers, sondern von dem AfD-Landtagskandidaten Thorsten Otterbach, der im Wahlkreis Konstanz antritt. Inhaltlich geht es unter anderem um die Corona-Politik. Der Tenor der Artikel: Die Corona-Maßnahmen seien unverhältnismäßig und teilweise unsinnig.

Argumentation mit überholten Daten

Als angeblicher Beleg für die Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen wird zum Beispiel eine Sterbefallstatistik des Statistischen Bundesamtes angeführt. Damit will die AfD den Eindruck vermitteln, dass 2020 nicht viel mehr Menschen gestorben sind als in früheren Jahren. Was der Leser nicht erfährt: In der Statistik sind die tatsächlichen Sterbezahlen vom Dezember noch nicht enthalten. Das Statistische Bundesamt teilte Ende Januar mit: Im Dezember 2020 seien in Deutschland 29 Prozent mehr Menschen verstorben als in den Dezembermonaten der Jahre zuvor.

Scharfe Kritik in den sozialen Medien

Nach der Veröffentlichung der AfD-Beilage hagelte es Kritik in den sozialen Medien. Zeitungsleser kritisierten, dass der Südkurier mit der AfD Geschäfte mache und der Partei eine Plattform biete, wo sie ihre Behauptungen unkommentiert verbreiten könne. Auch überregionale Medien berichteten, unter anderem der Spiegel in seiner Onlineausgabe. Prominentester Kritiker ist der Satiriker Jan Böhmermann, der im ZDF eine Late-Night-Sendung moderiert. Er schrieb auf Twitter:

Die rechtsextreme Fake-News-Beilage des @Suedkurier_News heute – gestaltet wie eine redaktionelles Extrablatt. Print ist nicht tot, sondern einfach nur bewusstlos. via @luenmich https://t.co/1iyhu3ym2D

Südkurier weist Vorwürfe zurück

Der Südkurier selbst weist eine Verantwortung für die Inhalte der AfD-Beilage von sich. Dem SWR schrieb der Leiter der Unternehmenskommunikation, Christian Wulf: "Parteien tragen grundsätzlich die Verantwortung für die von ihnen geschalteten Werbeinhalte." Der Inhalt von Wahlwerbung spiegele nicht die Haltung des Verlages wider. Eine Demokratie habe viele Stimmen und Meinungen. Einige davon seien schwer zu ertragen.

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