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In diesem Jahr sollen am Bodensee wieder junge Waldrappe aufgezogen werden. Das teilte das Waldrapp-Team mit. Im vergangenen Jahr war die Aufzucht wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.

Derzeit befinden sich die Waldrapp-Küken noch in Österreich. Dort sind sie geschlüpft. Im Tiergarten Schönbrunn kann man die Vögel via Livestream aus dem Aufzuchtcontainer beobachten. Im Mai sollen dann 32 Jungvögel an den Bodensee gebracht werden. Erstmals findet die Aufzucht in Hilzingen (Kreis Konstanz) und nicht wie bisher in Überlingen (Bodenseekreis) statt. Dort könnten die Waldrapp-Küken ungestört von der bereits bestehenden Brutkolonie in Überlingen aufwachsen, sagte Johannes Fritz vom Waldrappteam dem SWR.

Aufwendige Wiederansiedlung

Die von Hand aufgezogenen Vögel sollen später in freier Wildbahn leben und Teil einer neuen Waldrapp-Population in Europa werden. Ihre Wiederansiedelung ist aufwendig: Auf einem Flugplatz in Hilzingen trainieren die Waldrappe ab Mai, ihren beiden menschlichen Ziehmüttern überall hin zu folgen - auch wenn diese in einem Ultraleichtflugzeug sitzen.

Waldrappe fliegen vor Bergkulisse. Ein Fluggerät begleitet die Vögel. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/C. Esterer/Waldrappteam/dpa)
picture alliance/C. Esterer/Waldrappteam/dpa

Brutkolonie am Bodensee

Mitte August beginnt die sogenannte "Zugunruhe". Dann lernen die jungen Vögel, begleitet von ihren Ziehmüttern in Leichtflugzeugen, ihre Zugroute in den Süden kennen - sie fliegen gemeinsam vom Bodensee Richtung Italien. Dort überwintern die Waldrappe in einem Schutzgebiet und werden ausgewildert. Als geschlechtsreife Vögel sollen sie später eigenständig an den See zurückkehren und Teil einer neuen Brutkolonie am Bodensee werden.

150 Wildvögel wieder angesiedelt

Der Waldrapp wurde in Europa vor 400 Jahren ausgerottet. Dank des 2014 gestarteten Aufzuchtprojekts leben in Europa mittlerweile wieder mehr als 150 Waldrappe in freier Wildbahn nördlich und südlich der Alpen. Im vergangenen Jahr mussten Handaufzucht und Auswilderung aber wegen der Corona-Pandemie einmalig ausgesetzt werden.

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