Ein Kormoran fliegt über den Bodensee (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/dpa/Felix Kästle)

Zum Schutz gefährdeter Fischarten

Studie will Aktionen gegen Kormorane am Bodensee

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Die Bodensee-Anrainerländer sollten ab sofort gemeinsam gegen die steigende Zahl von Kormoranen am See vorgehen. Das fordert eine Studie, die das Land Baden-Württemberg vorgelegt hat.

Die Zahl der fischfressenden Vogelart Kormoran am Bodensee sollte von allen Anrainerländern gemeinsam begrenzt werden, um gefährdete Fischarten wie Äsche, Nase, Aal und Bachforelle zu schützen. Das ist das Fazit der Vorstudie im Auftrag der Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft in Baden-Württemberg. An den Bodensee grenzen Baden-Württemberg und Bayern, Österreich und die Schweiz.

SWR-Reporterin Karin Wehrheim über die Kormoran-Vorstudie:

Die Studie sieht auch einen "steigenden fischereiwirtschaftlichen Schaden" der Kormorane für die Berufsfischerinnen und Berufsfischer am Bodensee. Wie erheblich dieser Schaden ist, sei allerdings nicht nachzuweisen. Für 2022 gehen die Experten davon aus, dass die Kormorane am See gut 300 Tonnen Fisch fressen, fast so viel wie alle Berufsfischer gemeinsam in ihren Netzen haben werden. Der geschützte Vogel frisst fast ein halbes Kilogramm Fisch pro Tag. Zudem richtet der Schaden durch verletzte Fische an.

Grafik zeigt Brutkolonien des Kormorans am Bodensee (Foto: Hydra&BiCon2022: Vorstudie für ein mögliches Kormoranmanagement am Bodensee)
Diese Grafik zeigt Brutkolonien des Kormorans am Bodensee. Hydra&BiCon2022: Vorstudie für ein mögliches Kormoranmanagement am Bodensee

Kritik von Naturschützern - Bodenseefischer sagen: "Zu spät!"

Naturschützer kritisieren das Ergebnis der Studie scharf. Der Schutz bedrohter Fischarten werde darin nur "vorgeschoben", um das schon vorher festgelegte Ziel einer Begrenzung der Kormoran-Zahlen zu begründen, sagt der Leiter des Bodenseezentrums vom Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg Eberhard Klein. Roland Stohr, der Vorsitzende der Genossenschaft bayerischer Bodenseeberufsfischer, erklärte auf SWR-Anfrage, man sei nicht wirklich optimistisch, dass das helfe, den Kormoran auf ein verträgliches Maß zurückzudrängen. Dafür sei es viel zu spät.

"Das hätte gestern passieren sollen, nicht übermorgen! Es ist fünf nach zwölf."

Es sei schizophren, dass das baden-württembergische Umweltministerium erst einschreite, wenn Fische gefährdet seien, aber nicht, wenn Kormorane einen Berufsstand gefährdeten. Mittlerweile gingen nur noch 30-40 Berufsfischer auf den Obersee hinaus, weil es nicht mehr die Kosten decke. Die Studie geht davon aus, dass ein Fischer pro Jahr sechs bis sieben Tonnen Fisch fangen muss, um davon leben zu können. Das sei seit 2005 nicht mehr der Fall.

Grenzübergreifende Zusammenarbeit bislang schwierig

Ob eine Vermehrung des Kormorans am Bodensee so in den Griff zu kriegen ist, bezweifeln auch andere Experten. Kormorane seien "räumlich höchst mobil", sagt Erich Staub, der als Biologe den Internationalen Bodenseefischereiverband berät. Fischer beklagen schon seit langem, dass Kormorane in der Fußacher Bucht in Vorarlberg beschossen und verjagt werden - und sich dann am deutschen Ufer neue Brutplätze suchen. Ein grenzüberschreitendes Vorgehen gebe es derzeit kaum.

Diese Grafik zeigt mögliche Aktionen gegen Kormorane und ihre Auswirkungen am Bodensee. (Foto: Hydra&BiCon2022: Vorstudie für ein mögliches Kormoranmanagement am Bodensee)
Diese Grafik zeigt mögliche Aktionen gegen Kormorane und ihre Auswirkungen am Bodensee. Hydra&BiCon2022: Vorstudie für ein mögliches Kormoranmanagement am Bodensee

"Das mit der Flinte zum Erfolg führen zu können, ist eher unwahrscheinlich."

In den Ländern und Bundesländern gebe es aktuell unterschiedliche Regeln und Schutzgebiete für die Vögel, zudem teils auch auf Ebene der Landkreise, so Andreas Lindeiner weiter.

Die meisten Brutkolonien in Baden-Württemberg

Vor allem Baden-Württemberg ist gefordert. Denn dort gibt es die meisten Brutkolonien. Doch weil vor allem die Jungvögel zu hunderten ins europäische Ausland weiterziehen, sei eigentlich nicht nur ein seeweites, sondern sogar ein gemeinsames europäisches Vorgehen notwendig. Doch das sei bislang kein Thema, so der Biologe und Kormoranexperte Erich Staub.

Die Studie im Auftrag des Landes Baden-Württemberg empfiehlt, noch in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe einzusetzen und im kommenden Jahr mit einem Kormoran-Management zu starten. Dann sollen betroffene Gebiete festgelegt und geeignete Maßnahmen geprüft werden. Diese reichen vom Vergrämen der Vögel bis zum Abschuss der Vögel an Fischernetzen, in ihren Schlafbäumen oder auf ihren Nestern. Im kommenden Jahr soll es zudem ein Dialogforum "Kormoran und Fisch" geben.

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SWR