Bienen fliegen vor einer Reihe von Bienenkästen

Erfolg gegen Schädling ohne chemische Mittel

Imker aus Oberschwaben züchten varroaresistente Bienen

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Autor/in
Moritz Kluthe
SWR-Redakteur Moritz Kluthe Autor Bild

Die Varroamilbe schwächt viele Bienenvölker im Land. Eine Möglichkeit, gegen den Schädling anzukommen: varroaresistente Bienen. Imker, unter anderem aus Oberschwaben, züchten sie.

Am Samstag ist der Welttag der Biene. Dabei geht es auch darum, wie man die kleinen Tiere besser schützen kann. Eine besondere Bedrohung für die Bienen ist die Varroamilbe, ein Schädling, der in den 70er-Jahren aus Asien eingewandert ist. Bienenvölker werden durch die Milbe so geschwächt, dass sie oft den Winter nicht überleben. Statt chemischer Mittel setzen einige Imker, etwa aus Oberschwaben, nun auf die Zucht varroaresistenter Bienen.

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In 40 Jahren habe die herkömmliche Bekämpfung der Varroamilbe etwa mit Ameisensäure keinen nachhaltigen Erfolg gehabt, sagt der Bad Wurzacher Imker Josef Birk.

"Die Milben haben sich nicht ausrotten lassen. Im Endeffekt haben wir widerstandsfähige Milben gezüchtet."

Varroamilben krabbeln auf einer Larve einer Bienendrohne
Die kleinen braunen Punkte sind Varroamilben. Sie sind eine große Gefahr für die Bienenbrut.

Bienen sollen Milbenbefall selbst erkennen und handeln

Stattdessen wollen Birk und andere Imker nun resistente Bienen züchten. Das heißt, diese resistenten Bienen erkennen, wenn die Milbe sich in Brutkammern eingenistet hat. Sie räumen die Milbe aus, bevor sie sich weiter vermehren kann. Um die Bienen mit diesem Merkmal zu züchten, werden diese von den Imkern ausgewählt. So werden etwa Drohnen, also männliche Bienen, in einer Voliere gehalten, damit die Imker sie später gezielt zur Begattung einer Königin einsetzen können.

Imker Gerhard Kottek stellt eine sogenannte Drohnenvoliere auf
In diesem Kasten, einer sogenannten Drohnenvoliere, fliegen Bienendrohnen. Sie sollen später eine Königin befruchten.

Wirkung von resistenten Bienen wissenschaftlich bestätigt

In dem Forschungsprojekt SETBie, unter anderem mit der Uni Hohenheim, wurde die Wirksamkeit der resistenten Bienen gegenüber der Milbe bestätigt. Bei dem Projekt wurden einige hundert Völker überprüft. Sie wurden mit der Varroamilbe infiziert und nach einigen Wochen wurde kontrolliert, ob sich die Milben in der Brut vermehren konnten oder nicht.

Projektleiter ist der Imker Gerhad Kottek aus Tannheim im Kreis Biberach. Er hat selbst mittlerweile einige varroaresistente Bienenvölker in seinem Garten. Er ist überzeugt von der Methode.

"Ich habe hier Völker, die schauen ohne Behandlung viel besser aus, sind sogar tendenziell stärker als behandelte Völker."

Großes Ziel: Resistente Bienen in ganz Deutschland verbreiten

Kottek und Birk haben aber noch größere Ziele. Sie wollen, dass die varroaresistenten Bienen in etwa zehn Jahren flächendeckend in Deutschland verbreitet sind. In dem Projekt Varroaresistenz 2033 haben sich dafür einige Imkerverbände zusammengeschlossen.

"Die Vision 2033: dass wir eine Imkerei betreiben wie vor der Varroamilbe."

Dafür muss noch einige Überzeugungsarbeit bei Imkern geleistet werden. Kottek gibt beispielsweise Kurse für Hobby-Imker, wie diese die resistenten Bienen züchten können.

In Oberschwaben gibt es laut dem Verband der Buckfastimker Süd mehr als 2.000 Imkerinnen und Imker. Sie haben zusammen mehr als 17.000 Bienenvölker.

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