Biowinzer am Bodensee rechnen wegen Hagelschäden und Feuchtigkeit mit einem Totalausfall ihrer Ernte. (Foto: SWR, Julia Kretschmer)

Großflächiger Pilzbefall

Bio-Winzer am Bodensee fürchten Ernteausfall

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Bio-Winzer am Bodensee rechnen wenige Wochen vor Beginn der Weinlese bereits mit einem Totalausfall. Hagel und der nasse Sommer hätten teilweise für großflächigen Pilzbefall gesorgt.

Winzer Heiner Renn aus Hagnau (Bodenseekreis) ist nach eigenen Angaben seit 25 Jahren im Bio-Weinbau tätig. So machtlos wie in diesem Jahr sei er noch nie gewesen. Die Unwetter und der Hagel der vergangenen Wochen haben einen Großteil der jungen Reben zerstört. Möglicherweise könnte auch die Ernte im kommenden Jahr betroffen sein, befürchtet er. Die Triebe seien so schwer angeschlagen, dass Heiner Renn seine Reben im Winter stärker als gewöhnlich zurückschneiden muss.

Kampf gegen Pilzkrankheit

Hohe Niederschlagsmengen und warme Temperaturen hätten für ein dauerhaft schwüles Klima gesorgt und so die Ausbreitung von falschem Mehltau auf den noch verbliebenen, angeschlagenen Pflanzen begünstigt. Beim ökologischen Weinanbau dürfen Winzer ihre Pflanzen zum Schutz vor Krankheiten und Schädlingen nur mit Kupfer und Schwefel behandeln, nicht mit chemischen Pestiziden.

Der falsche Mehltau schädigt die Weinblätter. (Foto: SWR, Julia Kretschmer)
Der falsche Mehltau schädigt die Weinblätter. Julia Kretschmer

Nicht alle Sorten betroffen

Der viele Regen bereitet jedoch nicht allen Rebsorten Probleme. Die so genannte "PIWI"-Sorte wird aus besonders widerstandsfähigen Reben hergestellt und kommt mit den derzeitigen klimatischen Verhältnissen deutlich besser zurecht. Julian Moser, der gemeinsam mit seiner Familie ein kleines Weingut auf der Insel Reichenau bewirtschaftet, verzeichnet nur geringe Schäden.

Auch Resistenz kann brechen

Vereinzelt gebe es an seinen "PIWI"-Reben braune Blätter, aber die Pilzsporen hätten sich nicht weiterverbreitet. Es sei ein schwieriges Jahr gewesen, sagt Julian Moser. Zwar benötigen die "PIWI"-Reben kaum Pflanzenschutzmittel, aber in diesem Jahr musste auch der Reichenauer Winzer zum Einsatz von Kupfer greifen. Denn seine "PIWIs" seien zwar widerstandsfähiger gegen den Pilzbefall, aber resistent eben auch nicht.

Keine größeren Ausfälle erwartet

Chemische Pestizide dürfen nur im konventionellen Weinbau eingesetzt werden. Und dort seien, so der Direktor des Staatlichen Weinguts Meersburg, Jürgen Dietrich, bislang keine größeren Ausfälle zu erwarten. Die Weinlese soll Ende September beginnen.

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