Backwaren werden für einen Tafel-Laden angeliefert, während überwiegend ukrainische Geflüchtete für die Essenausgabe anstehen. (Foto: dpa Bildfunk, Nicolas Armer)

Nachfrage enorm gestiegen

Lange Schlangen vor Tafelläden am Bodensee: Einrichtungen verhängen Aufnahmestopps

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Erste Tafelläden mit Lebensmitteln für Bedürftige in der Bodenseeregion haben einen Aufnahmestopp verhängt. Überall ist die Nachfrage durch den Krieg in der Ukraine enorm gestiegen.

Die Tafelläden der Caritas in Lindau und Lindenberg (Kreis Lindau) nehmen vorerst keine neuen Kundinnen und Kunden auf. Man tue das schweren Herzens, aber es sei nicht mehr möglich, einen vernünftigen Betrieb aufrecht zu erhalten, wenn 50 Menschen wartend vor der Tür stünden, sagte Caritas-Geschäftsführer Harald Thomas auf SWR-Anfrage.

Zahl der Kunden seit Ukraine-Krieg fast verdoppelt

In Lindau habe sich die Zahl der Tafelkundinnen und -kunden seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs von 200 auf 330 erhöht, in Lindenberg sei der Trend ähnlich. Das bedeute auch eine enorme Mehrbelastung für die Ehrenamtlichen, die die Tafelläden betreiben. Sie seien jetzt oft statt vier Stunden täglich sechs Stunden im Einsatz, um die Lebensmittel einzusammeln und für den Verkauf vorzubereiten.

Die Tafelläden in Friedrichshafen und Singen verzeichnen seit Ende März sogar mehr als doppelt so viele Bedürftige, die günstige Lebensmittel kaufen wollen, in Singen bis zu 200 pro Tag, in Friedrichshafen bis zu 150 täglich statt zuvor 60 bis 70, sagte Markt-Leiterin Marika Schuster. Es gebe aber noch genug Kapazitäten. Aus der Ukraine Geflüchtete dürften sogar erst einmal einkaufen kommen, auch wenn sie nur einen ukrainischen Ausweis vorlegen können. Lange Schlangen vor der Tür am Morgen seien aber mittlerweile Alltag, heißt es in Friedrichshafen.

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