Klinikum Friedrichshafen (Foto: SWR)

Nach Hackerangriff auf Klinikverbund

"Medizin Campus Bodensee" kämpft immer noch mit IT-Problemen

STAND

Nach einem Hackerangriff vor gut zwei Monaten auf Kliniken des "Medizin Campus Bodensee" (MCB) im Bodenseekreis, läuft die IT immer noch nicht einwandfrei.

Schon über zwei Monate liegt der Hackerangriff auf die Kliniken des Medizincampus Bodensee inzwischen zurück und noch immer funktionieren nicht alle technischen Prozesse wie vorher. Das Krankenhaus ist beispielsweise immer noch nicht per E-Mail zu erreichen. Hinter den Kulissen aber arbeiten die IT-Experten hart daran, dass alles schnellstmöglich wieder funktioniert. Stefan Schramm, der IT-Leiter des Medizincampus Bodensee sagt, sie seien auf einem guten Weg.

"Wir haben die wichtigen klinischen Prozessen, auch Verwaltungsprozesse, am Laufen, circa 75 Prozent der Prozesse funktionieren wieder. Was noch nicht geht, ist die Kommunikation nach außen, wie der Dialog per E-Mail. Die Dinge, die auch ein grosses Gefahrenpotenzial beinhalten, die haben wir noch nicht wieder in Betrieb genommen."

Alle wichtigen Patientenprozesse würden aber funktionieren, so Schramm weiter.

Versorgung der Patienten ist gewährleistet

Außerdem ist es in den Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang schon seit einigen Wochen wieder möglich, Notfallpatienten zu versorgen und auch geplante notwendige Operationen durchzuführen. Das teilte der Klinikverbund mit. Die Grundversorgung der Patientinnen und Patienten sei in beiden Häusern sichergestellt, die Geburtshilfe laufe wie gewohnt und auch die Haustechnik der beiden Krankenhäuser arbeite störungsfrei, so eine Sprecherin des MCB.

Ermittlungen mit IT-Spezialisten laufen

Nach dem Angriff auf das Informationstechnik-System im Klinikum Friedrichshafen und in der Klinik Tettnang wurden alle Server und Geräte heruntergefahren, um eine weitere Verbreitung der Schadsoftware zu verhindern, hieß es in einer Mitteilung. Getroffen habe es hauptsächlich Verwaltungsbereiche. Die Polizei werde weiter gemeinsam mit Cybercrime-Spezialisten den Angriff analysieren und versuchen, die IT komplett wieder hochzufahren.

Aktuell wird wegen des Verdachts der Computersabotage ermittelt, teilte ein Sprecher der Polizei in Ravensburg mit. Es müsse im Zuge der Ermittlungen auch geklärt werden, inwieweit weitere mögliche Straftatbestände verwirklicht worden sein könnten.

SWR Reporterin Sabine Steinfurth berichtete über den Hackerangriff am 13. Januar:

Auch SRH-Holding betroffen

Auch die SRH-Holding war im September vergangenen Jahres von solch einem Hackerangriff betroffen, das traf auch die Kliniken im Kreis Sigmaringen. Dort wurden laut SRH einige Dateien kopiert und im Darknet veröffentlicht, darunter seien auch personenbezogene Informationen gewesen. Den Forderungen der Hacker sei man aber nicht nachgekommen.

Der "Medizin Campus Bodensee" hat rund 540 Betten, davon 370 im Krankenhaus Friedrichshafen.

Mehr zum Thema:

Baden-Württemberg

Hackerangriffe BW-Innenministerium warnt vor Cyberattacken über Weihnachten

Über Weihnachten sind viele Beschäftigte von Unternehmen zuhause bei den Familien. Hacker greifen deshalb gerade über die Feiertage vermehrt Firmen in Baden-Württemberg an.

Heilbronn

BSI warnt vor Hackerangriffen Heilbronner IT-Experte: "Unsere Kunden sind im Panikmodus"

Eine Sicherheitslücke in einem Software-Element lässt die Alarmglocken in den IT-Abteilungen von Firmen schrillen. Wie erleben Experten aus Heilbronn-Franken die Situation?

Wangen

Bundeswehr soll helfen Am Limit: Arbeiten auf der Intensivstation in Wangen

Auf den Intensivstationen spitzt sich die Lage zu, das medizinische Personal kommt langsam an seine Grenzen. In den Häusern der Oberschwabenklinik (OSK) helfen ab sofort Bundeswehrsoldaten aus.

STAND
AUTOR/IN
SWR