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Das Dornier Museum Friedrichshafen will sich an dem geplanten Gedenkort für die Lufthansa-Maschine "Landshut" nicht beteiligen. Der Bundestag hatte am Donnerstag 15 Millionen Euro dafür frei gegeben.

Die historische Lufthansa-Maschine "Landshut" bei ihrer Ankunft in Friedrichshafen 2017. (Foto: Pressestelle, Dornier Museum)
Die historische Lufthansa-Maschine "Landshut" bei ihrer Ankunft in Friedrichshafen 2017. Pressestelle Dornier Museum

Die geplante Realisierung der "Landshut"-Ausstellung in Friedrichshafen sei ein historisch bedeutsames Vorhaben, es stehe jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Dornier Museum, teilte die Einrichtung am Freitagnachmittag schriftlich mit. Die Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt (DSLR), die Träger des privaten Museums ist, sei auch nicht in die Bemühungen zu seiner Finanzierung involviert.

An der Spitze einer Stiftung, die den "Landshut"-Gedenkort betreiben soll, könnte der ehemalige Leiter des Dornier Museums Friedrichshafen und Enkel des Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier, David Dornier, stehen. Das sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster (SPD) aus Biberach gegenüber dem SWR. David Dornier hatte das Museum im September überraschend verlassen. Von der Stadt Friedrichshafen hieß es, die historische Einordnung der "Landshut" in die Zeit des RAF-Terrorismus könne nur durch den Bund gewährleistet werden, eine kommunale Lösung werde der Bedeutung nicht gerecht.

David Dornier will offenbar ein Grundstück in der Nähe von Flughafen und Dornier Museum zur Verfügung stellen. Geplant sei, die Restaurierung der Maschine in einer Art gläserner Werkstatt vorzunehmen, so dass Interessierte zuschauen können.

Streit um Verbleib der "Landshut" dauerte Jahre

Drei Jahre war um eine Ausstellung zur "Landshut" gestritten worden. Der SPD-Politiker Gerster sagte, den Streit habe er als unwürdiges Trauerspiel empfunden. Er habe sich für einen Gedenkort in Friedrichshafen eingesetzt und sei erleichtert, dass es jetzt eine Lösung gebe.

Gerster zufolge stellt der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags 15 Millionen Euro für die "Landshut" zur Verfügung. Mit der Hälfte des Geldes soll das 1977 von Terroristen entführte Flugzeug restauriert (2,5 Millionen), ein Hangar-Gebäude als Museum gebaut (2,5 Millionen), mit entsprechender Technik ausgestattet (1,5 Millionen) und ein Ausstellungskonzept erarbeitet werden (1 Million). Die andere Hälfte des Geldes (7,5 Millionen) dient als Betriebskostenzuschuss für zehn Jahre. Bedingung des Bundestags ist, dass der Eintritt in die "Landshut"-Ausstellung nicht mehr als fünf Euro kostet.

Die bewegte Geschichte eines Flugzeugs

Die "Landshut" wurde im Oktober 1977 mit 91 Passagieren an Bord von palästinensischen Terroristen entführt, die mit der Aktion die Freiheit der Mitglieder der linksextremistischen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) um Andreas Baader und Gudrun Ensslin erpressen wollten. In Mogadischu (Somalia) wurde die Maschine schließlich von Spezialkräften der GSG9 gestürmt. Bei der Aktion wurden drei Geiselnehmer getötet. Die Geiseln überlebten, bis auf den Flugkapitän, der von den Geiselnehmern erschossen worden war. Der Vorfall ist einer der wichtigsten Anti-Terror-Einsätze der bundesdeutschen Geschichte.

Mogadischu: Die am 13. Oktober 1977 entführte «Landshut» nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine «Landshut» wollten palästinensische Terroristen ihre deutschen Gesinnungsgenossen unterstützen, die zuvor Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführten. Eine Gruppe der GSG 9, Antiterroreinheit des Bundesgrenzschutzes, stürmte später das Flugzeug auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu und befreite die Insassen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/picture alliance / dpa/dpa)
Die am 13. Oktober 1977 entführte "Landshut" nach der Landung in Mogadischu (Somalia). picture alliance/picture alliance / dpa/dpa

Später war das Flugzeug noch bis 1985 im Liniendienst der Lufthansa unterwegs und wurde danach nach Brasilien verkauft.

Transport in Teilen nach Friedrichshafen

Die Idee, die "Landshut" am Bodensee auszustellen, kam von David Dornier. Die Bundesregierung kaufte im Mai 2017 die "Landshut" für den Schrottwert von etwa 20.000 Euro. In einer spektakulären Aktion brachten zwei Transportmaschinen die zerlegte "Landshut" im September 2017 zum Flughafen Friedrichshafen. Die Kosten wurden von der Bundesregierung getragen. Die "Landshut" kam in einen Hangar des Dornier-Museums in Friedrichshafen. Sie ist öffentlich nicht zugänglich.

Nach den Plänen von David Dornier sollte die "Landshut"-Ausstellung neben dem Dornier Museum bereits im Herbst 2018 fertig sein. Die Bundesregierung hatte Unterstützung dafür im Koalitionsvertrag festgehalten. Doch auch Anfang 2020 waren keine Mittel dafür im Bundeshaushalt vorgesehen. Andere Vorschläge tauchten auf, etwa die Unterbringung des Flugzeugs in einem militärhistorischen Museum in Berlin.

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