Keine unmoralischen Lieferungen nach Russland

Spedition in Singen beteiligt sich an Hilfstransporten nach Osteuropa

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Das Transportwesen ist stark betroffen vom Krieg in der Ukraine. Eine Spedition aus Singen (Kreis Konstanz) hat schon unmoralische Transport-Angebote aus Russland abgelehnt.

Die Spedition von Christian Bücheler in Singen hat 700 Mitarbeiter. Er hat sich in den vergangenen 20 Jahren vom Gabelstapler-Fahrer hochgearbeitet und das Geschäftsfeld seiner Spedition in Singen auf Osteuropa ausgeweitet. Dabei gelten für ihn klare Prinzipen beim Transport.

"Ich habe auch eine Devise: die menschliche Komponente kommt immer vor dem wirtschaftlichen Erfolg."

Deshalb habe man auch dankend abgelehnt, als vor einem halben Jahr das Angebot für einen lukrativen Transport aus Russland kam. Es sei um Rüstungsteile für U-Boote nach Afrika gegangen. "Das haben wir dann intern besprochen und haben klar gesagt: nein! Wir lehnen diesen Auftrag aus Gewissensgründen ab", sagt Bücheler.

Zu dieser Menschlichkeit gehört es auch, mit den 700 Mitarbeitern seiner Firma, die Wurzeln in ganz Europa haben, besonders jetzt im Gespräch zu bleiben. Noch sei die Stimmung gut, doch allzu lange dürfe der Krieg nicht dauern betont Chef-Disponent Valerio Sansone. 

"Die meisten Fahrer kommen aus Ukraine und Russland. Das würde uns als Transco und auch den kompletten Frachtmarkt entlasten und eben: Wir möchten auch, dass die Leute wieder in Frieden leben können in ihren Ländern."

Alleine weil keine Kabelbäume für die deutschen Autobauer mehr aus der Ukraine importiert werden können, mussten bereits 50 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Am Bildschirm zeigt Firmeninhaber Bücheler, dass derzeit fast nur noch Fahrzeuge zwischen Deutschland und Italien unterwegs sind - Richtung Osteuropa gehen nur noch Hilfstransporte.

Das könne das Unternehmen noch drei oder vier Monate aushalten, sagt Bücheler. Ohne fremde Hilfe könne man das nicht tragen. Besonders weil der  Preis für Tiefkühlgas, auf das die Firma aus Umweltgründen umgestiegen ist, von 1,10 Euro auf 2,50 Euro gestiegen ist.

Spediteur rechnet nicht mit schneller Entspannung der Krise

Die Spediteure vom Bodensee hoffen, dass zumindest das Geschäft im restlichen Europa weiter gut läuft, und setzen auf Hilfstransporte an die Ukrainische Grenze. Viele von ihnen hat Bücheler kostenlos umgesetzt.

Mit einer schnellen Entspannung der Lage rechnet Spediteur Bücheler allerdings nicht - Putin werde wohl erst von der Ukraine ablassen, wenn er ein "Erfolgserlebnis habe" und danach sehe es derzeit nicht aus. Und so werde man weiter genau darauf achten, was man ins Krisengebiet transportiere und was nicht.

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