Ein Zollbeamter vor mehreren Bildschirmen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Christian Charisius)

Jahresbilanz 2020 veröffentlicht

Hauptzollamt Singen treibt weniger Steuern ein

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Das Hauptzollamt Singen hat im vergangenen Jahr rund 2,4 Milliarden Euro an Steuern eingenommen. Das geht aus der vom Zoll veröffentlichten Bilanz hervor. Es waren rund 350 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor.

Den starken Rückgang begründet das Hauptzollamt Singen mit der Corona-Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen. Der Zoll in Deutschland nimmt nach eigenen Angaben die Hälfte der Steuern ein, die der Bund insgesamt kassiert. Die meisten Einnahmen erzielt der Zoll bei den Ein- und Ausfuhrabgaben des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Die Behörde ist aber auch zuständig für die Strom- und Energiesteuer und für die Kfz-Steuer.

Den höchsten Anteil an den Einnahmen hat nach wie vor die Einfuhrumsatzsteuer mit 1,97 Milliarden Euro. Immer größer werde der Anteil der Kfz-Steuer, heißt es. Das Hauptzollamt Singen ist für den gesamten Regierungsbezirk Freiburg zuständig und damit für 1,85 Millionen Fahrzeuge. Das Steueraufkommen dafür betrug 274 Millionen Euro.

Grenzkontrollen bleiben zentrale Aufgabe

Bei allen Aufgaben, die der Zoll in der heutigen Zeit erledigen muss, bleibt die Abfertigung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs die "ureigenste Aufgabe der Zollverwaltung", heißt es in der Jahresbilanz 2020. Zollmitarbeiter sind dafür an den Grenzen sowie auf Flug- und in den Seehäfen im Einsatz. Seit es den europäischen Binnenmarkt gibt, kontrollieren Zöllner auch in mobilen Einheiten im Landesinneren.

Der Zoll überwacht weiterhin auch den grenzüberschreitenden Reiseverkehr. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauptzollamtes Singen sind für das Grenzgebiet zur Schweiz zuständig, sie kontrollieren auch in Zügen und auf Autobahnen und Bundesstraßen. Aus Sicht des Zolls mit Erfolg: Im vergangenen Jahr kamen  die Singener Zöllner laut ihrer Statistik fast 5.600 Schmuggeldelikten auf die Spur. Sie stellten bei ihren Kontrollen 576.000 Euro an unangemeldeten Bargeld sicher, und sie beschlagnahmten 290 Waffen wie Totschläger, Schlagringe oder Würgehölzer.

Rauschgiftfunde verdoppelt

Auffallend war im vergangenen Jahr, dass die Zöllnerinnen und Zöllner mit 293 Kilogramm mehr als doppelt so viele Drogen sichergestellt haben wie 2019. Darunter Marihuana, Haschisch, Heroin, Kokain und Amphetamine.Aber nicht nur Drogendealer gerieten ins Visier der Zollfahnder. Auch Schwarzarbeiter wurden aufgespürt. Kontrollen gab es unter anderem in der Baubranche sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Aber auch Gebäudereinigungs-, Taxi und Speditionsfirmen sowie Wach- und Sicherheitsdienste wurden geprüft. Dabei summierte sich die Schadenssumme auf mehr als 3,2 Millionen Euro, so das Hauptzollamt. 981 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten wurden am Ende an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben.

Zoll deckt kuriose Fälle auf

Im September vergangenen Jahres fanden Zöllner auf der A81 im Kofferraum eines Fahrzeugs 40 Kilogramm Marihuana, eingepackt in Säcken. Das Hauptzollamt konnte auch den Schmuggel von 26 hochwertigen Smartphones aufdecken samt Kopfhörer. Die Ware hatte einen Gesamtwert von 30.000 Euro. Der angebliche Besitzer wollte das versandfertige Paket gerade bei der Post aufgeben, als er von den Ermittlern gestoppt wurde.

Eine Frau aus dem Kanton Thurgau hatte 27 Flaschen Whisky im Wert von über 40.000 Euro im Gepäck. Die 28-Jährige wurde vor einem Paketshop in der Konstanzer Innenstadt beim Entladen beobachtet und überführt. Der teure Whisky wurde als Beweismittel sichergestellt.

Das Hauptzollamt Singen

Das Hauptzollamt Singen ist zuständig für Landkreise Konstanz, Tuttlingen Rottweil, Schwarzwald-Baar und Waldshut. Das Gebiet umfasst 5.000 Quadratkilometer. Der Grenzverlauf zu Schweiz erstreckt sich über rund 330 Kilometer, 70 davon quer über den Bodensee. Für das Hauptzollamt Singen sind derzeit 836 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 14 Zollämtern tätig.

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