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Die Bund-Länder-Beschlüsse über erste Lockerungen der Corona-Beschränkungen haben in der Region Bodensee-Oberschwaben überwiegend Enttäuschung ausgelöst. Einzelne sind optimistisch.

Große Freude herrscht bei der Insel Mainau in Konstanz. Sie ist ein botanischer Garten und hat viel Außengastronomie. Geschäftsführerin Gräfin Bettina hofft, dass die Inzidenzwerte zwischen 50 und 100 bleiben und viele Besucher über Ostern auf die Blumeninsel kommen. Vom angekündigten möglichen Terminshopping hält Peter Kolb, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Sport Gruner in Konstanz, nicht viel.

"Man hat uns das komplette Wintergeschäft genommen, die Mitarbeiter sind seit mehr als zehn Wochen in Kurzarbeit und wissen in der Mitte des Monats nicht, wie sie ihren Kühlschrank voll bekommen."

Peter Kolb, Unternehmer aus Konstanz

Die Versäumnisse der Regierung beim Impfen und bei den Schnelltests würden auf dem Rücken des Handels ausgetragen. Auch Manfred Hölzl, 40 Jahre lang Wirt des Konzils in Konstanz, sieht Tischvorbestellungen in der Außengastronomie, wie von Berlin vorgeschlagen, als nicht praktikabel an.

Museen öffnen für angemeldete Gäste

Auch die Museen können ab Montag öffnen, aber nur mit Terminvereinbarungen. Tobias Engelsing, Direktor der städtischen Museen Konstanz, sieht das kritisch, weil es einen hohen personellen Aufwand bedeute und es unklar sei, wie viele von den vor allem älteren Besuchern überhaupt kämen. Es fehlten immer noch klare Regeln.

"Wir können nicht unser gesamtes Personal in die Häuser setzen, sondern wir müssen dann Tag und Nacht am Telefon sitzen, bis sich fünf Leute melden, die zu uns kommen wollen."

Der Vorstandsvorsitzende vom Turn- und Sportbund Ravensburg, Thomas Prüß, dessen Verein Sportarten vom Fußball über Badminton bis Leichtathletik anbietet, ist glücklich, dass jetzt endlich wieder Sport getrieben werden kann. Auch wenn noch vieles ungewiss bleibe. Es sei wichtig, jetzt wieder loszulegen, damit vor allem die Kinder und Jugendlichen wieder in den Verein zum Sport machen kämen. Sonst sei die Zukunft des Vereins gefährdet, so Prüß.

Der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Bodenseekreis, Horst Müller, sagte nach den Bund-Länder-Gesprächen über Corona-Lockerungen auf SWR-Anfrage, die Restaurants stufenweise oder nur die Außenbereiche zu öffnen, sei wirtschaftlich nicht tragbar. Zudem kündige viel Personal, je länger der Lockdown dauere.

"Tourismus ist nicht bedacht worden"

Der Bürgermeister von Markdorf im Bodenseekreis, Georg Riedmann, begrüßte, dass man sich bei möglichen Öffnungen nicht allein auf den Inzidenzwert von 35 beschränke. Er kritisierte aber, dass der Tourismus bisher nicht in die Überlegungen mit einbezogen worden sei. Riedmann hatte zuvor mit weiteren Bürgermeistern Lockerungen unter anderem mit Corona-Tests gefordert. 

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