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Der Oberbürgermeister von Konstanz, Uli Burchardt (CDU), geht nicht davon aus, dass die geplante Großdemo der Stuttgarter "Querdenken"-Initiative in Konstanz stattfinden kann. Die Gegner der Corona-Politik wollen am Tag der Deutschen Einheit in Konstanz protestieren.

Für den 3. Oktober seien bereits fünf oder sechs Veranstaltungen mit einigen tausend Teilnehmern in Konstanz angemeldet, so Burchardt im SWR. Er gehe davon aus, dass kein Platz für eine weitere Veranstaltung sein werde. Zudem liege der Stadt noch keine Anmeldung vor.

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Gleichzeitg betonte Burchardt, dass die Versammlungsfreiheit ein hohes Gut sei. Sollte die Großdemo wider Erwarten stattfinden können, dann erwartet der Oberbürgermeister, dass im Gebiet der Stadt Konstanz grundsätzlich alle Vorschriften eingehalten würden.

"Das ist die Maske, das sind die Hygieneregeln, das ist der Abstand."

Uli Burchardt, Oberbürgermeister von Konstanz, zu den einzuhaltenden Vorschriften

In einer engen und dichtbebauten Stadt wie Konstanz seien dem "physische Grenzen gesetzt", so Burchardt. Deshalb müsse das Konzept im Vorfeld mit den Veranstaltern besprochen und geklärt werden. "Wir haben keine Vorstellung, was geplant ist. Und erst, wenn wir das wissen, kann man das miteinander besprechen."

Initiative hatte Verlegung der Demo von Berlin nach Konstanz angekündigt

Organisiert werden soll die Veranstaltung von der Stuttgarter Initiative "Querdenken 711". Das bestätigte Gerry Mayr vom Konstanzer "Querdenken"-Ableger dem SWR. Es sei eine Menschenkette mit bis zu 250.000 Teilnehmern aus der Vier-Länder-Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein geplant, so Mayr. Die Anti-Corona-Demo solle einen Tag der europäischen Einheit symbolisieren. Laut Mayr ist die Demonstration in Konstanz noch nicht bei der Stadt angemeldet.

Demo ebenfalls in Livesendung angekündigt

Der Organisator der Stuttgarter Initiative "Querdenken 711", Michael Ballweg, hatte die geplante Demonstration in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am Mittwochmorgen ebenfalls bestätigt, allerdings Frankreich statt Liechtenstein als viertes Land genannt. Es sei zum Beispiel eine Menschenkette um den Bodensee vorstellbar.

Bereits am Dienstagabend soll Ballweg einem Journalisten vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) von der geplanten Demo in Konstanz erzählt haben.

Reichsbürger und Rechtsextreme auf "Querdenken"-Demos

Die Verlegung sei eine Reaktion darauf, dass Rechtsextreme für die Corona-Demonstrationen in der Hauptstadt mobilisierten und mitliefen, twitterte der Journalist vom RBB, Olaf Sundermeyer. Eine Sprecherin der Polizei Konstanz erklärte am Mittwochmorgen auf SWR-Anfrage, man habe bisher keine Informationen über eine Querdenken-Großdemo am 3. Oktober.

"Querdenken 711" nicht mehr in Berlin

In einem SWR-Fernsehinterview hatte Ballweg am Dienstagnachmittag bestätigt, dass die Stuttgarter Initiative nicht mehr in Berlin protestieren wolle. Zuvor hatte sich der Berliner Senat darauf verständigt, ab sofort Demonstrationen mit mehr als 100 Teilnehmern nur noch zuzulassen, wenn dort ein Mund-Nasen-Schutz getragen wird.

Reaktionen im Internet fallen unterschiedlich aus

Die Reaktionen im Internet auf die Verlegung der Demonstration nach Konstanz fallen unterschiedlich aus. Aufrufe von Rechtsextremen, nach Konstanz zu kommen, gibt es auf den Facebook- und Twitter-Seiten der Initiative "Querdenken" bisher nicht. Der Konstanzer Ableger der Initiative hat auf Facebook 150 Abonnenten. Viele Reaktionen gibt es seit Mittwochfrüh hingegen auf einer regionalen Facebook-Seite und auf Twitter. Die Reaktionen dort sind kontrovers.

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