Prozess um Zwangsprostitution in Singen und Stockach (Foto: SWR)

Rumänische Frauen eingesperrt

Prozess um Zwangsprostitution im Kreis Konstanz hat begonnen

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Vor dem Amtsgericht Konstanz hat am Montag der Prozess gegen drei Angeklagte begonnen, die Frauen aus Rumänien zur Prostitution gezwungen haben sollen.

Den Angeklagten wird eine ganze Reihe von Straftaten vorgeworfen. Das Verlesen der Anklageschrift dauerte knapp eine Stunde. Es geht um Menschenhandel, Zuhälterei, Zwangsprostitution und Drogenhandel. Vor Gericht verantworten müssen sich zwei Männer und eine Frau aus Rumänien im Alter zwischen 22 und 31 Jahren.

Sie sollen Frauen aus Rumänien nach Deutschland gelockt und zur Prostitution im Landkreis Konstanz gezwungen haben etwa, in Singen, Aach und in Stockach. Die drei Angeklagten wurden im August festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Frauen wurden falsche Versprechungen gemacht

Die Verbrechen wurden über eine Art Bande organisiert, die Frauen aus Rumänien nach Deutschland gelockt hat, um sie hier zur Prostitution zu zwingen. Konkret geht es vor Gericht um drei Frauen aus Rumänien. Ihnen wurde versprochen 40 bis 50 Prozent der Einnahmen aus der Prostitution zu bekommen.

Sie willigten ein, um etwa die Kosten für die Behandlung des kranken Vaters zu bezahlen. Als sie dann in Deutschland angekommen waren, sah die Realität ganz anders aus. So wurden ihnen die Kosten der Reise nach Deutschland in Rechnung gestellt und die Frauen erhielten nur einen Bruchteil ihrer Einnahmen. Oft mussten sie auch alles abgeben.

Zwangsprostituierte wurden ständig überwacht

Sie wurden in Stockach in einer Wohnung eingeschlossen, wurden ständig überwacht und durften die Wohnung nur in Begleitung verlassen. Gefügig wurden sie mit Gewalt und Drogen gemacht. Außerdem wurde ihnen gedroht, Sexvideos von ihnen zu veröffentlichen. Die Freier durften sie sich nicht selbst aussuchen, sondern sie wurden ihnen zugeführt.

Darüber hinaus geht es in dem Prozess um den Kauf und Verkauf von Marihuana und Kokain. Angeklagt sind nun drei Mitglieder dieser Bande: eine 22-Jährige, ein 23-Jähriger und ein 31-Jähriger.

Die 22-jährige Angeklagte wirkte im Gerichtssaal recht eingeschüchtert. Der auch im Gesicht tätowierte 31 Jahre alte Angeklagte wirkte eher genervt oder gleichgültig. Der 23-jährige dritte Angeklagte machte einen unbeteiligten Eindruck. 

Prostitution, um Behandlung von behinderten Sohn zu finanzieren?

Die 22-jährige Angeklagte schilderte vor Gericht, dass sie sich prostituiere, seit sie 18 Jahre alt sei. Vor fünf Jahren habe sie in Rumänien den 31-jährigen Angeklagten kennengelernt. Gemeinsam haben sie einen Sohn bekommen. Er leidet unter Epilepsie und einer einseitigen Körperlähmung. Sie habe sich dann weiter prostituiert, um die Behandlung des Sohnes zu finanzieren. Seit sie 18 Jahre alt ist, rauche sie Cannabis.

Der 23-jährige Angeklagte ist gelernter Kfz-Mechaniker, arbeitete mal in London und kam dann zu seinem Cousin nach Stockach. Dort hat er in einer Kunststoffspritzerei gearbeitet. Er konsumierte auch regelmäßig Drogen. Der 31-jährige Angeklagte hat bisher noch keine Angaben zur Person gemacht.

Verhandelt wird im Landgericht Konstanz

Für den Prozess sind fünf Tage angesetzt. Es sollen mindestens 15 Zeugen und mehrere Sachverständige gehört werden. Ein Urteil soll Ende März gefällt werden. Der Prozess findet aus Platz- und Sicherheitsgründen im Landgericht Konstanz statt.

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