Vor dem Landgericht Ravensburg müssen sich drei mutmaßliche Schleuser verantworten.

Fahrer kommt aus dem Allgäu

Ravensburg: Deal im Prozess gegen mutmaßliche Schleuser

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Dirk Polzin
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Vor dem Landgericht Ravensburg stehen seit Mittwoch drei Männer, die wiederholt Menschen illegal nach Deutschland eingeschleust haben sollen. Sie legten Geständnisse ab.

Zum Auftakt des Prozesses um drei mutmaßliche Schleuser hat das Landgericht Ravensburg am Mittwoch einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ausgehandelt. Dabei haben die Angeklagten die Taten gestanden und bekommen als Gegenleistung mildere Strafen in Aussicht gestellt. Dadurch dauert der Prozess statt zehn nur noch drei Tage.

Angeklagte sollen Teil einer größeren Schleuserbande sein

Die drei türkischen Staatsangehörigen gaben am ersten Verhandlungstag zu, Teil einer länderübergreifenden Schleuserbande zu sein und wiederholt Landsleute illegal über europäische Grenzen geschleust zu haben, vor allem nach Deutschland. Dabei waren sie sowohl in der Türkei als auch in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Italien, Österreich und der Schweiz aktiv.

54-Jähriger soll vom Allgäu aus agiert haben

Einer der Angeklagten agierte dabei vom Allgäu aus, er wohnt bei Leutkirch. Aufgrund des Deals, im Fachjargon Verständigungsvorschlag genannt, erwartet den 54-Jährigen nun eine Bewährungsstrafe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Zwischen zehn und 16 Monate auf Bewährung drohen einem 37-jährigen Mitangeklagten aus Sontheim. Die beiden seien lediglich die Fahrer gewesen, so das Gericht, Strippenzieher hingegen der 42-jährige Hauptangeklagte aus dem hessischen Hanau. Er muss mit bis zu vier Jahren Gefängnis rechnen. Ohne den Deal könnten es laut Gericht auch fünf Jahre oder mehr sein. Ein Urteil wird Mitte Juni erwartet. Wie hoch die Strafen dann ausfallen, hängt von der durch den Deal verkürzten Beweisaufnahme in dem Prozess ab.

Gericht spricht von umfangreichem Beweismaterial

Auf die Schliche kamen die Behörden den drei deutschlandweit aktiven Männern durch umfangreiche Ermittlungen der Bundespolizei. Dabei wurden auch verdeckte Ermittler eingesetzt. Als Beweismaterial für die Taten zählen neben den Erkenntnissen der Ermittler auch Online-Chats per Handy, Hinweise aufgrund von Hausdurchsuchungen sowie Handy-Videos, die im Internet gepostet wurden. In ihnen hatten sich die geschleusten Menschen bei der illegalen Ankunft, etwa in Deutschland, jeweils bei einem Schleuser mit Codenamen Hakan bedankt - laut Gericht das Signal, die Gelder für die Schleusung an die drei angeklagten Männer auszuzahlen.

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