Die beiden Angeklagten, verpixelt, sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts Ravensburg (Foto: SWR, Dirk Polzin)

Geschleuster kommt bei Unfall ums Leben

Landgericht Ravensburg: Staatsanwaltschaft bietet mutmaßlichen Schleusern Deal an

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Vor dem Landgericht Ravensburg hat am Mittwoch der Prozess gegen zwei Männer begonnen, die laut Anklage mehrere Menschen in einem Kleintransporter nach Italien einschleusen wollten. Dabei starb ein Geschleuster.

Den Männern, die beide in Italien wohnen, wurde zunächst vorgeworfen, als Teil einer Schleuserbande an Anfang Dezember versucht zu haben, zehn Menschen aus Indien illegal nach Italien einzuschleusen. Der 24-jährige Fahrer, der ältere von beiden, soll, so die Staatsanwältin, am Steuer immer wieder eingenickt sein und habe dies auch einem Bekannten per Handy mitgeteilt. Wegen eines Sekundenschlafs sei der Kleintransporter kurz nach Mitternacht an jenem Dezembertag auf der A7 bei Berkheim (Kreis Biberach) mit einem Lkw kollidiert. Der Kleintransporter überschlug sich und kam in einer Wiese zum Liegen, einer der Insassen wurde aus dem Fahrzeug geschleudert. Er starb, andere Mitfahrer verletzten sich.

Verfahrensverständigung mit geringerem Strafmaß

Am ersten Prozesstag bot das Gericht der Anklage und der Verteidigung eine sogenannte Verfahrensverständigung an, umgangssprachlich auch Deal genannt. Wenn die beiden Angeklagten die Tat gestehen, erwartet den 20-Jährigen eine Jugendstrafe von bis zu zwei Jahren, mindestens aber einem Jahr und acht Monaten. Diese Strafe kann zur Bewährung ausgesetzt werden. Dem 24-jährigen Fahrer des Kleintransporters droht eine Erwachsenenstrafe von maximal drei Jahren und drei Monaten, mindestens aber von zwei Jahren und neun Monaten – ohne Bewährung.

Vorwurf des bandenmäßigen Schleusens fallen gelassen

Da die beiden am Mittwoch im Grundsatz ein Geständnis zu den Vorwürfen der Anklage ablegten, wird sich die Dauer des Verfahrens verkürzen. Bei diesem Deal allerdings wird das Gericht den Vorwurf eines bandenmäßig begangenen Schleusens fallen lassen.

Mildernd wirkt sich neben einem Geständnis auch aus, dass die beiden seit dem Unfall im Dezember in Untersuchungshaft sitzen. Vor allem der jüngere, der Angeklagten stammt aus stabilen Familienverhältnissen und arbeitet in Italien als Lagerarbeiter bei Amazon. Er ließ im Prozess über seine Anwälte erklären, dass ihm die Tat Leid tue. Dass dabei ein Mensch ums Leben kam, mache ihm schwer zu schaffen.

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