Angeklagter steht vor Landgericht Konstanz und verdeckt Gesicht mit Mappe (Foto: SWR, Friederike Fiehler)

Prozessauftakt am Landgericht Konstanz

Brandstiftung an Singener Scheffelhalle: Angeklagter gesteht

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Ein ehemaliger Feuerwehrmann hat vor dem Landgericht Konstanz zugegeben, den Brand an der denkmalgeschützten Scheffelhalle in Singen (Kreis Konstanz) im vergangenen November gelegt zu haben.

Zu Beginn der Verhandlung räumte der 37-jährige Angeklagte erneut ein, zwischen November 2020 und Frühjahr 2021 für mehrere Brände von Papiertonnen im Singener Stadtgebiet verantwortlich zu sein. Der Mann gab auch zu, im November 2020 mit einem Feuerzeug Papiermüll in einem großen Container an der Scheffelhalle angezündet zu haben. Später habe er nochmal geschaut, aber er habe weder Rauch noch Feuer gesehen und dachte, der Brand sei erstickt, so das ehemalige Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr im Kreis Konstanz. Die Flammen zerstörten im November vergangenen Jahres die Scheffelhalle in der Folge komplett.

Angeklagter legte Brand, um Stress abzubauen

Es sei jedoch nicht seine Absicht gewesen, die denkmalgeschützte Scheffelhalle in Brand zu setzen, so der 37-Jährige. Er habe in der Tonne Feuer gelegt, um Druck wegen eines Streits mit seiner Ex-Freundin abzubauen. Der Angeklagte hat nach eigenen Aussagen ein Alkoholproblem. Seit seiner Kindheit leidet er zudem an einer Persönlichkeitsstörung und war bereits mehrfach in psychiatrischen Einrichtungen. 2013 hatte ihn ein Gericht wegen Brandstiftung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Die Scheffelhalle in Singen ist abgebrannt (Foto: Pressestelle, Freiwillige Feuerwehr Singen)
Die Scheffelhalle in Singen ist bis auf die Grundmauern abgebrannt. (Archivbild) Pressestelle Freiwillige Feuerwehr Singen

Am 16. November 2020 war die denkmalgeschützte Scheffelhalle vollkommen niedergebrannt. Dabei entstand ein Millionenschaden. Nach dem mutmaßlichen Täter wurde öffentlich gesucht, die Polizei veröffentlichte auch Videos einer Überwachungskamera. Auf die Schliche kamen ihm die Beamten erst Ende März dieses Jahres, als sich in Singen Brände von Papiertonnen häuften.

Gericht hat drei Verhandlungstage angesetzt

Dem Angeklagten werden Brandstiftung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Ursprünglich hätte der Scheffelhallen-Prozess bereits vor einem Monat beginnen sollen, er musste aber wegen der Verhinderung eines Verfahrensbeteiligten verschoben werden. Insgesamt sind drei Verhandlungstage angesetzt, an denen vier Zeugen und ein Sachverständiger gehört werden sollen. Das Urteil wird am 19. November erwartet.  

Abrissarbeiten haben begonnen

Derzeit wird die Brandruine abgebrochen. Die Arbeiten liefen nach Plan, sagte ein Sprecher der Stadt dem SWR. Insgesamt rechne man mit Abrisskosten von rund 350.000 Euro. Der Brandschutt müsse speziell entsorgt werden, weil die Scheffelhalle mit Asbest gebaut wurde. Bis Ende des Jahres soll der Abriss beendet sein. Bis dahin soll auch klar sein, wie die Stadt den Bau einer neuen Scheffelhalle angehen will. Noch in diesem Jahr soll der Gemeinderat dazu einen Grundsatzbeschluss fassen.

Neue Scheffelhalle könnte 2025 fertig sein

Im kommenden Jahr werde die Stadt mit der Planung beginnen und einen Architekturwettbewerb ausschreiben. Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten 2023 starten und die neue Scheffelhalle 2025 fertig sein. In dem Jahr, in dem die alte Scheffelhalle 100 Jahre alt geworden wäre.

Der Name der Scheffelhalle geht auf den Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel zurück, der immer wieder zu Gast in Singen war. In der Halle fanden bis zuletzt unter anderem viele Fastnachts-Veranstaltungen statt. Platz hatten etwa 1.500 Besucher.

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