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Die frostigen Nächte machen den Obstbauern am Bodensee große Sorgen. Viele Obstblüten sind bereits erfroren. Mit modernster Technik versuchen die Landwirte zu retten, was zu retten ist.

Obstbauer Johannes Bentele aus Tettnang (Bodenseekreis) hat seine Apfelplantage derzeit ganz genau im Blick. Auch nachts ist er zwischen den Bäumen unterwegs. Prüft die Temperatur, tastet die Blätter ab - um im richtigen Moment seine Beregnungsanlage einzuschalten. Die Wassertropfen schützen die Pflanzen, wenn die Temperaturen unter null Grad fallen, erklärt Johannes Bentele. Wie das genau funktioniert, hat sich SWR-Reporter Martin Hattenberger erklären lassen.

Bewässerungsweiher angelegt

Bentele hat im vergangenen Jahr einen großen Bewässerungsweiher neben seinen Hof gebaut und Leitungen in die Plantage gelegt. Durch lange Metallstäbe wird die ganze Apfelplantage beregnet. Doch die Methode hat auch einen Nachteil: Sie braucht enorm viel Wasser. Selbst der 14.000 Kubikmeter große Bewässerungsweiher reicht da nicht lange.

Föhnen für den Williams-Schnaps

In Salem-Rickenbach (Bodenseekreis) sorgt sich Obstbauer Herbert Senft um seine Birnen. Die sollen in seiner Destillerie zu einem hochwertigen Williams-Schnaps gebrannt werden. Er setzt auf heiße Luft, um die Blüten vor dem Frost zu schützen. Senft fährt nachts mit einem sogenannten "Frostbuster" durch seine Plantage. Der mit Gasflaschen betriebene Riesenföhn bläst warme Luft zwischen die Birnenbäume. Ohne diese Technik wären in den vergangenen Nächten 50 bis 60 Prozent der Blüten erfroren, so Senft. SWR-Reporter Martin Hattenberger war auch mit ihm in der Plantage.

Ernteausfälle 2017 nach spätem Frost

Solche technischen Hilfsmittel haben nicht viele Obstbauern am Bodensee zur Verfügung. Im Mai 2017 hatte deshalb später Frost mancherorts zum Totalausfall der Obsternte in der Region Bodensee-Oberschwaben geführt. Rund 2.500 Obstbauern stellten anschließend Anträge auf Frosthilfe vom Land.

Weinbauern nicht betroffen

Die derzeitigen Frostnächte haben den Weinreben am Bodensee, im Gegensatz zu den Obstbäumen, bislang nicht geschadet. Das sagten mehrere Winzer auf SWR-Anfrage. Denn die Reben in der Bodenseeregion haben noch nicht ausgetrieben und können somit auch nicht verletzt werden.

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