Oberschwabenklinik in Ravensburg (Foto: SWR, Dirk Polzin)

Nach Trennung von OSK-Geschäftsführer Adolph

Landrat Sievers äußert sich zur Neuaufstellung

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Nachdem der Aufsichtsrat der Oberschwabenklinik sich für eine Neuaufstellung der Unternehmensspitze ohne Geschäftsführer Oliver Adolph entschieden hat, erläutert Landrat Harald Sievers die Entscheidung im SWR.

Die Oberschwabenklinik mit Sitz in Ravensburg hatte sich am Wochenende von ihrem umstrittenen Geschäftsführer Oliver Adolph getrennt. Harald Sievers, Landrat im Kreis Ravensburg und Aufsichtsratsvorsitzender der OSK, erklärte dazu am Montag gegenüber dem SWR, für eine weitere Zusammenarbeit mit Adolph habe es keine Grundlage mehr gegeben:

"Das Kapitel einer aktiven Tätigkeit von ihm als Geschäftsführer ist beendet."

Aufsichtsrat laut Landrat einig bei Entscheidung über OSK-Geschäftsführer

Ob Adolph seine Bezüge weiter erhält, dazu wollte sich der Landrat nicht weiter äußern. Man sei in einer sehr bedrückenden Situation gewesen, so Sievers. Der Aufsichtsrat sei sich nach langen Gesprächen einig gewesen, dass es jetzt einer Zäsur bedarf. "Diese Klärung war überfällig", sagt Sievers.

"Ein Geschäftsführer muss gut mit den übrigen Beschäftigten zusammenarbeiten, muss deren Vertrauen genießen."

Nur so könne er das Unternehmen in die Richtung führen, in die es sich entwickeln müsse. Beschäftigte, mit denen er gesprochen hätte, hätten die Entscheidung für unvermeidbar gehalten, so der Landrat weiter. Sievers kann die Kritik teilweise verstehen, dass der Aufsichtsrat so lange für die Entscheidung gebraucht habe. Aber wenn man in Verantwortung stehe, sei es tatsächlich nicht so einfach. Einen großen Imageschaden fürchtet der Landrat offenbar nicht, denn viele Krankenhäuser hätten ähnliche Probleme.

"Diejenigen, die über den Tellerrand schauen, die werden wahrnehmen, dass unsere Probleme nicht atypisch sind."

Sievers sieht ganzes Gesundheitswesen in besorgniseregender Situation

Atypisch sei die Führungssituation. Insgesamt sei das Gesundheitswesen etwa durch Personmangel in einer besorgniserregenden Situation. Da müsse man jetzt wieder herauskommen. Nach der Entscheidung zu Geschäftsführer Adolph müsse man Ruhe ins Unternehmen bringen. Außerdem müssten Mitarbeiter gewonnen und beschlossene Strukturveränderungen umgesetzt werden.

Das ganze Interview mit Landrat Harald Sievers zum Nachhören: Er äußert sich zu Beginn des Gesprächs mit SWR-Reporter Wolfgang Wanner dazu, was es bedeuten soll, wenn OSK-Geschäftsführer Oliver Adolph seine Arbeit ruhen lasse, und zur Zukunft der Oberschwabenklinik:

Der Aufsichtsrat der OSK mit Sitz in Ravensburg entschied laut einer Mitteilung am Wochenende, dass der bisherige Geschäftsführer der OSK, Oliver Adolph, sein Amt nicht weiter ausüben wird. Es werde nun so schnell wie möglich eine Interimsgeschäftsführung eingesetzt. Die notwendigen Beschlüsse will der Aufsichtsrat kurzfristig fassen. Bis dahin soll das Unternehmen durch den zweiten Geschäftsführer, Michael Schuler, sowie den Prokuristen Stefan Schoenauer voll handlungsfähig bleiben, heißt es weiter.

Chefärzte und Pflegekräfte hatten sich beschwert

Adolph stand seit Wochen in der Kritik. In einem Brief an den Ravensburger Landrat und OSK-Aufsichtsratsvorsitzenden Harald Sievers hatten 18 Chefärzte den Geschäftsführer des Klinikverbundes kritisiert: Das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet und eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich, hieß es in dem Brief. Daher hatten sie den Landrat um ein Gespräch gebeten. Man sei auch besorgt über die Patientenversorgung im Kreis, schrieben die 18 der 22 Chefärzte der OSK.

Nach den Chefärzten hatten sich auch acht Vertreter aus dem Pflegebereich mit einem Brief über die Arbeitsbedingungen im Klinikverbund beschwert. Zuletzt hatte der zweite Geschäftsführer, Michael Schuler, seine Kündigung eingereicht. Er wird laut OSK bis zum Ende seines Vertrages weiter für den Klinikverbund arbeiten.

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