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Forscher der Fischereiforschungsstelle Langenargen im Bodenseekreis haben eine neue Fischart im Oberrhein entdeckt. Erstmals wurde der sogenannte südliche Steinbeißer nachgewiesen.

Der Kleinfisch wird etwa zehn Zentimeter lang und hat ein helles Schuppenkleid mit dunklen Tupfen. Er lebt laut den Experten der Fischereiforschungsstelle vorzugsweise in flachen, leicht durchflossenen sandigen Gewässerbereichen. Zur Nahrungsaufnahme filtert der Steinbeißer Lebewesen aus dem Bodensubstrat heraus. Die nicht fressbaren Anteile, etwa Sand oder Steine, stößt er über die Kiemen wieder aus. Deshalb trägt er den Namen südlicher Steinbeißer. Im Englischen wird er italienischer Steinbeißer genannt.

Mit den Meeres-Speisefischen, die unter dem Handelsnamen "Steinbeißer" verkauft werden, hat der kleine Fisch nichts zu tun.

Der Schwanz eines südlichen Steinbeißers liegt auf einem Stück weißer Küchenrolle. Die Punkte am Schwanz zeigen an, dass es sich um einen südlichen Steinbeißer handelt. (Foto: Pressestelle, Fischereiforschungsstelle Langenargen)
An den zwei markanten schwarzen Punkten am Schwanzstil ist der südliche Steinbeißer eindeutig zu erkennen. Pressestelle Fischereiforschungsstelle Langenargen

Ein Überraschungsfund für die Forscher

Die Forscher der Fischereiforschungsstelle in Langenargen waren sehr überrascht, den südlichen Steinbeißer im Gebiet Südlicher Oberrhein/Breisach zu entdecken. Zwar konnten sie im vergangenen Jahr bereits zwei Tiere nachweisen, dachten jedoch, dass es sich um Einzeltiere handelte. Nun konnten sie stabile, größere Bestände feststellen.

In Baden-Württemberg gibt es laut Alexander Brinker, dem Leiter der Fischereiforschungsstelle, nur zwei andere Steinbeißerarten: den Donausteinbeißer und den gemeinen Steinbeißer. Beide sind stark gefährdet und sehr selten.

Wahrscheinlich von Italien eingewandert

Bislang wurde der südliche Steinbeißer in einigen Seen in der Schweiz und südlich der Alpen in Frankreich, Italien, Slowenien und Kroatien nachgewiesen. Die Forscher in Langenargen vermuten, dass er über den Schweizer Fluss Aare in den Rhein gelangte. Das zeige, dass Fische aktiv in neue Lebensräume vordringen, so Alexander Brinker, der Leiter der Fischereiforschungsstelle.

Warum die Tiere den Weg auf sich genommen haben, wissen die Forscher nicht. Mögliche Erklärungen seien die verbesserte Wasserqualität des Rheins oder der Einfluss des Klimawandels. Möglich ist laut Brinker auch, dass der Steinbeißer früher schon im Oberrhein gelebt haben könnte. Belege dafür gebe es bislang jedoch keine. Diese Fragen wollen die Forscher nun klären.

Mehrere südliche Steinbeißer schwimmen in einem kleinen Aquarium nebeneinander. (Foto: Pressestelle, Fischereiforschungsstelle Langenargen)
Über das Aaresystem ist der südliche Steinbeißer wahrscheinlich von Italien in den Oberrhein eingewandert, vermuten die Forscher. Pressestelle Fischereiforschungsstelle Langenargen
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