Zugvögel am Bodensee (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Felix Kästle)

Bodensee-Naturschutztage

Die Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf die Natur

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Drei Tage lang haben Umweltschützer bei den 45. Bodensee-Naturschutztagen virtuell über Klima- und Artenschutz getagt. Auch die Folgen der Corona-Pandemie beschäftigen die Naturschützer.

In den vergangenen zwei Jahren hat die Corona-Pandemie das öffentliche Leben eingeschränkt. Auch die 45. Bodensee-Naturschutztage vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fanden deshalb nur virtuell statt. Seit den 1970er-Jahren treffen sich dort haupt- und ehrenamtliche Naturschützerinnen und Naturschützer um sich weiterzubilden und auszutauschen.

Die eingeschränkte Mobilität, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, kann für die Umwelt durchaus positive Folgen haben. Wie jüngste Zahlen der Luftsicherheitsorganisation Eurocontrol belegen, ist die Zahl der Flüge in Europa wegen des Virus deutlich zurückgegangen. Der Naturschutzbund NABU Konstanz beobachtet aber auch die Kehrseiten, die durch mehr Freizeit und Ausflügler entstehen.

"Der Freizeitdruck wurde in der gesamten Natur ungeheuer groß. Nicht nur hier bei uns in den Naturschutzgebieten, sondern auch in den Wäldern. Und vielen Leuten ist gar nicht bewusst, was sie zertrampeln, was sie kaputt fahren mit ihren Mountainbikes, wie sie auch die Natur stören, auch die Tiere stören."

Am Bodensee überwintern Tausende Wasservögel. Die NABU-Mitarbeiter wollen deshalb weiter darauf achten, dass sich die Menschen, die in der Corona-Zeit nach draußen drängen, respektvoll gegenüber der Natur verhalten.

Windräder und geschützte Vogelarten: Wie geht das zusammen?

An den Naturschutztagen haben sich rund 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligt. Ein großes Thema bestand in der Frage, wie Artenschutz und Windkraft miteinander vereinbar sind. Auf der einen Seite gelten die Windräder als wichtiges Element der Energiewende, auf der anderen Seite können sie für Vögel eine lebensbedrohliche Gefahr darstellen.

"Es gibt nicht die Alternative: Windkraft oder Artenschutz. Es gibt nur die Option: Windkraft mit Artenschutz!"

Artenschutz dürfe nicht, wie häufig geschehen, gegen den aus Klimaschutzgründen dringend notwendigen Ausbau der Windenergie instrumentalisiert werden, sagte die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker (Grünen). Dieses Problem sieht auch Eberhard Klein, der Leiter des NABU-Bodenseezentrums:

"Wir Naturschützer müssen sehr, sehr aufpassen, dass wir uns nicht vor egoistischen Karren spannen lassen. Ich habe noch nicht so viele Rotmilankenner und -schützer erlebt wie heutzutage, wo es ein probates Mittel ist, um Windenergie zu verhindern."

Das Land Baden-Württemberg will den Ausbau der Windkraft massiv vorantreiben - das gehe aber nur mit effektivem Artenschutz, fordern die Veranstalter der Naturschutztage. Grundsätzlich sei man nicht gegen den Ausbau der Wind-Energie.

Kompromissvorschlag als Lösung beim Thema Windkraft

Um aus dem Spannungsfeld zwischen Artenschutz und Windrad-Bau herauszukommen, schlug Johannes Enssle, Landesvorsitzender des Naturschutzverbandes NABU, auf den Naturschutztagen vor, sogenannte Vorranggebiete für Windenergieanlagen auszuweisen. In diesen könnte es Lockerungen der strengen Artenschutzvorgaben geben. Im gleichen Zug müssten aber auch "Ausschlussgebiete" definiert werden, in denen geschützte Vogelarten besonders häufig vorkommen.

Nach drei Tagen sind die Bodensee-Naturschutztage nun vorbei und die Naturschutzverbände NABU und BUND mit der digitalen Premiere sehr zufrieden. Es seien deutlich mehr neue Besucher zu den Umwelttagen gekommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Trotzdem wollen sich die Umweltschützerinnen und Umweltschützer im kommenden Jahr auch wieder persönlich treffen. Der Termin steht bereits. Vom 5. bis 8. Januar 2023 sollen die 46. Naturschutztage stattfinden.

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SWR