Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, auf einer Pressekonferenz (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

Fraktionschefin dementiert

Weitere Berater-Affäre um AfD-Politikerin Alice Weidel?

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Gegen die Fraktionschefin der AfD im Bundestag, Alice Weidel, gibt es neue Vorwürfe wegen Vorteilsnahme. Das bestätigte ein Politikberater dem SWR. Sie selbst dementiert das.

Der Unternehmer und Politikberater Friedel Opitz hat nach eigener Aussage die Abgeordnete aus dem Wahlkreis Bodensee jahrelang unterstützt - "monetär und strategisch", wie er eidesstattlich versichert. Unter anderem habe er ihr ein Auto zur Verfügung gestellt. Das geht auch aus einem Chatverlauf vom Januar 2017 hervor, der dem SWR vorliegt. Dieser beginnt mit der Frage von Weidel: "Magst Du ein Auto für mich sponsern?" Darauf folgt wenig später die Antwort von Opitz: "Morgen kommt ein XC 90 für Dich." Antwort Weidel: "Wir müssen erst noch über die Kosten reden". Antwort Opitz: "Ja, Boss."

Die Unterstützung sei auch in Form von Tablets und Smartphones erfolgt, berichten NDR, WDR und die Wochenzeitung "Die Zeit". Der Wert der Sachleistungen liegt demnach bei rund 10.000 Euro. Weidel hat laut Dokumenten, die der Recherchegemeinschaft vorliegen, offenbar nur einen Teil dieser Zuwendungen zurückgezahlt. Die AfD-Fraktionschefin im Bundestag bestreitet die Vorwürfe.

Wer hat den Mallorca-Urlaub bezahlt?

Die Recherchegemeinschaft berichtet zudem von einer gemeinsamen Urlaubsreise von Opitz mit Weidels Familie 2018 in ein Golf-Resort auf Mallorca. Die Kosten in Höhe von 3.500 Euro will Opitz selbst getragen haben, obwohl er Weidel eine Rechnung dafür stellte. Dem SWR erklärte Opitz, Frau Weidel habe Beratungsleistungen von ihm in Anspruch genommen. Er habe Frau Weidel auch finanziell unterstützt. Der Hotelaufenthalt auf Mallorca im Frühjahr 2018 für Frau Weidel, ihre Ehefrau und ihre Kinder sei von ihm bezahlt worden. Anders als von Frau Weidel behauptet, habe es vor Ort keine Barleistung an ihn gegeben. Laut der Recherche von NDR, WDR und "Zeit" hatte Weidel kurz vor dieser Mallorca-Reise Opitz angeboten, dass er als strategischer Berater im Bundestag für sie arbeiten könne. Mehrere Staats- und Verwaltungswissenschaftler bewerteten den Vorgang auf Anfrage als heikel. Der Beratervertrag, der aus Steuermitteln finanziert worden wäre, könnte demnach als Gegenangebot für die Reise eingestuft werden.

Weidels Büro dementiert die Berichte

Das Büro der AfD-Fraktionschefin erklärte auf Anfrage des SWR: "Frau Weidel hat keinerlei Beratungsleistungen von Herrn Opitz in Anspruch genommen. Auch von einer finanziellen Unterstützung seinerseits kann keine Rede sein. Der besagte Hotelaufenthalt für Frau Weidel und Begleitung wurde Herrn Opitz vorgestreckt. Eine Rechnung in der besagten Höhe entspricht zudem nicht den tatsächlichen Kosten, die weit niedriger waren". Die Rechnung entbehre jeglicher Grundlage, heißt es weiter.

Auch "Kontraste" berichtete über Beziehungen zu Politik-Berater

Vergangene Woche hatte das ARD-Magazin "Kontraste" über Zahlungen des AfD-Kreisverbands Bodenseekreis an einen Politikberater berichtet. Demnach verfügte der "Berliner Geschäftsmann O." sogar über Bundestags-Visitenkarten, auf denen er als "strategischer Berater" Weidels firmierte. Diese erklärte dazu, ein ursprünglich geplantes Beratungsverhältnis sei nicht zu Stande gekommen.

Ermittlungen wegen Parteispende laufen

Aktuell ermittelt noch die Staatsanwaltschaft Konstanz wegen einer Parteispende an die Abgeordnete. Außerdem musste sich Weidel erst vor kurzem zu weiteren Hotelaufenthalten erklären, zu denen sie sich von einem anderen Politik-Berater hatte einladen lassen. Weidel tritt bei der Bundestagswahl 2021 im September als AfD-Spitzenkandidatin und Direktkandidatin für den Landkreis Bodensee an.

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