Joan Miró, Monotypie zu L‘issue dérobée (Der verborgene Ausgang) (Foto: Pressestelle, 1972, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022.)

Ausstellung "Magie der Zeichen" im "Alten Forstamt"

80 Werke von Joan Miró im Stadtmuseum Stockach zu sehen

STAND

Unter dem Titel "Magie der Zeichen" sind im Stadtmuseum Stockach (Kreis Konstanz) 80 Lithografien, Radierungen, Zeichnungen und Wandteppiche des spanischen Künstlers Joan Miró ausgestellt.

Joan Miró gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Der spanische Künstler malte mit Pablo Picasso und Salvador Dalí. Bei dem Auktionshaus Sotheby’s in London erzielte 2012 eines seiner Werke, "Etoile bleue" aus dem Jahr 1927, einen Rekordpreis von fast 30 Millionen Euro.

Die Werke von Joan Miró hängen in den zwei Dachetagen des Museums. Alte hellgrau gestrichene Stütz- und Querbalken aus Holz durchziehen beide Räume. Eine Herausforderung für das Hängen der Werke wie der Leiter des Museums Johannes Waldschütz sagt.

"Es ist eigentlich kein Haus, in dem man Kunst erwarten würde. Wir haben keine gerade Wand, aber es hat einen ganz besonderen Charme - trotzdem oder gerade deswegen."

Auch für Miró untypische Werke ausgestellt

Das Museum ist in den beiden Dachgeschossen des "Alten Forstamts", einem historischem Bauwerk von 1706 untergebracht. Wegen der schiefen Wände hängen die groß- und kleinformatigen Werke Mirós an weißen Stellwänden. Im einräumigen Dachgeschoss ist das Frühwerk des Künstlers ausgestellt. Hier sticht ein Werk im Hochformat sofort ins Auge: Ein gelber Strich in der Mitte, oben rechts ein rotes Oval, unten links wilde blaue Striche kreisförmig angeordnet, das Ganze übersät mit schwarzen Klecksen. Das Bild heißt "Sonne und Wind" und gehe auf eine Fabel von Äsop zurück, sagt Waldschütz. Es zeige einen Wettstreit, wer der Stärkere von den beiden sei, wer es schaffe, dem Wanderer dazu zu bewegen, den Mantel abzulegen. Der Wind wolle ihn weg pusten, die Sonnen scheine einfach nur und dann ziehe der Wanderer ganz einfach freiwillig den Mantel aus. Es sei auf dem ersten Blick ein Bild, dass nicht typisch für Miró sei, so Waldschütz.

Gemälde von Joan Miró, Soleil et Vent (Sonne und Wind) (Foto: Pressestelle, 1963, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022.)
Joan Miró, Soleil et Vent (Sonne und Wind), 1963, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Pressestelle 1963, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Bild in Detailansicht öffnen
Joan Miró, La carosse d’oiseaux (Die Vogelkutsche), 1973, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Pressestelle 1973, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Bild in Detailansicht öffnen
Joan Miró, Mà de proverbis (Sprüche aus meiner Hand), 1970, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Pressestelle 1970, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Bild in Detailansicht öffnen
Joan Miró, Monotypie zu L‘issue dérobée (Der verborgene Ausgang), 1972, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Pressestelle 1972, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Bild in Detailansicht öffnen
Joan Miró, Els Gossos, 1979, © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Pressestelle © Successió Miró / VG Bild-Kunst Bonn 2022. Bild in Detailansicht öffnen

Typische Miró-Bilder hängen gleich gegenüber. Sie stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es sind auch kleinformatigere Farblithografien.

"Da sehen wir typische Symbole wie Sterne und Augen in den Bildern, von denen man nicht weiß, sind es Menschen, sind es Tiere."

Mirós Kunst soll Menschen inspirieren

Es gebe immer wieder etwas zu entdecken, meint Waldschütz. Man könne die Bilder ganz unterschiedlich deuten und das sei auch ganz in Mirós Sinn gewesen. Er habe von Anfang an gesagt, Kunst müsse die Leute inspirieren und so könne Kunst etwas Positives bewirken.

Typisch für Miró sind die Farben Rot, Gelb, Blau und Grün. Sie sind bereits in seinem Frühwerk vertreten. Sie entfalten auch unter den niedrigen Holzbalken ihre Wirkung.

Miró-Werke aus eigenen Kunstbeständen

Insgesamt sind 80 grafische Werke Mirós in der Ausstellung zu sehen. Dabei konnte Museumsleiter Johannes Waldschütz auch auf die eigene Sammlung zurückgreifen. Etwa 20 Werke stammen vom Stockacher Sammler Heinrich Wagner, der 2016 seine 360 Teile umfassende Sammlung dem Stadtmuseum als Dauerleihgabe überlassen hat. Der Rest seien Leihgaben eines großen Sammlers aus dem Rheinland und aus Privatbesitz, sagt Waldschütz.

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut. Ein Stockwerk tiefer ist Mirós Spätwerk zu sehen. Neben Grafiken, die inspiriert von Literatur entstanden, gehören dazu etwa Einladungs- und Menükarten, aber auch Teppiche. Selbst Hand anlegen kann man an mehreren Mitmachstationen, hier kann etwa eine Radiernadel ausprobiert werden.

Veranstaltungen und Workshops geplant

Darüber hinaus gibt es zur Miró-Ausstellung ein umfassendes Begleitprogramm mit rund 100 Veranstaltungen im Museum. Neben einer klassischen Führung, gehören dazu zum Beispiel ein Flamenco-Workshop für Kinder und einen für Erwachsene. Die Ausstellung "Joan Miró. Magie der Zeichen" ist noch bis zum 13. November im Stadtmuseum Stockach zu sehen.

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