Das Zeppelin Museum untersucht in der Ausstellung, wer von den Künstlern mit wem bekannt war und wie man sich ausgetauscht hat. Außerdem versucht die Schau Verbindungen zu heute herzustellen, zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler einzubinden. Mehr dazu im Video.
Der Bodensee war ab dem 19. Jahrhundert ein enorm kreativen Schaffensort, das legt die Ausstellung mit ihren rund 240 Exponaten nahe. Für die Präsentation von Porträts, Landschaften sowie handschriftlichen Text-Originalen wurde extra ein Art Wohnzimmer konzipiert, in dem auch die Besucherinnen und Besucher den Blick auf den Bodensee auf sich wirken lassen können.
Wie die ganze Ausstellung auf SWR-Reporterin Thea Thomiczek gewirkt hat, hören Sie im Beitrag:
Renommierte Künstler und Literaten lebten zeitweise am See: Annette von Droste-Hülshoff, Otto Dix, Hermann Hesse, Ernst Ludwig Kirchner, Hans Purrmann, Carl Sternheim und viele andere. Für sie war die Region Sehnsuchtsort, Paradies, wahlweise Rückzugs- oder Aufbruchsort und auch Fluchtpunkt vor den Nazis ab den 1930er-Jahren.
Malen und Schreiben am Bodensee
Hesse und Droste-Hülshoff sind eher als Schriftsteller bekannt, aber Hesse malte auch Aquarelle und Droste-Hülshoff schuf reizende Scherenschnitte. Bei beiden kamen Kunst und Literatur in einer Person zusammen. Schriftsteller und Maler inspirierten sich aber auch gegenseitig, wie zum Beispiel Martin Walser und Andre Ficus, die als kongeniales Paar zwei Bücher gestalteten.
Gegenseitige Ergänzung und Künstlergemeinschaften
Man tauschte sich aus, arbeitete für literarische und künstlerische Porträts zusammen und gründete auch viele Künstlergemeinschaften wie 1923 "Rehmenhalde" in Überlingen oder "Der Kreis" in Lindau. Über das künstlerische hinaus gab auch praktische Gründe, sich in der Peripherie in Künstlerkreisen zusammenzuschließen, zum Beispiel um Ausstellungen zu organisieren oder um Werke zu verkaufen. Gerade in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der 1920er-Jahre war der Verkauf ihrer Werke für viele Künstler nicht einfach. Gegründet wurde "Der Kreis" vom Maler Karl Einhart und vom Schriftsteller Norbert Jacques, den Autor des Romans Dr. Mabuse. Das Buch liegt in einer Vitrine neben dem Porträt des Autors.
Zu weit weg von den künstlerischen Zentren der Zeit
Viele kamen an den Bodensee und viele gingen dann aber auch wieder. Die Idylle am See konnte die Inspiration der Großstadt nicht ersetzen. Die Region war zwar mit der Schweiz und Österreich international, aber bis Mitte des 20. Jahrhunderts noch ländlich geprägt. Otto Dix blieb lange am See, hatte aber ein ambivalentes Verhältnis zur See-Region. Er kam aus Dresden, lebte davor in Düsseldorf, über die Region hat er gesagt: "Ich stehe wie eine Kuh vor der Landschaft". Von ihm stammt auch der Ausspruch, es sei "zum Kotzen schön". Offenbar hat dieser Zwiespalt aber beflügelt.

Unglaublich, was am See in 200 Jahren alles geschrieben, gemalt und revolutionär gedacht wurde, findet SWR-Reporterin Thea Thomiczek beim Rundgang und rät, viel Zeit für die füllige Ausstellung mitzubringen. Sie biete einen guten Überblick über Lebenswege und künstlerische Programme. "Ausruhen zwischendurch kann man sich auf extra bereitgestellten Sesseln mit Blick direkt auf den Bodensee."