Oberschwabenklinik in Ravensburg (Foto: SWR, Dirk Polzin)

In Ravensburg, Bad Waldsee und Wangen im Allgäu

Oberschwabenklinik hält an drei Klinikstandorten fest

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Die Oberschwabenklinik will trotz wirtschaftlicher Misere an den drei Krankenhausstandorten festhalten. Das erklärte die Geschäftsführung im Ravensburger Kreistag.

Die Geschäftsführung der Oberschwabenklinik (OSK) hat im Kreistag von Ravensburg am Dienstag das Zukunftskonzept für den Klinikverbund vorgestellt. Die sogenannte "Medizinstrategie" sieht vor, alle drei Krankenhaus-Standorte in Ravensburg, Bad Waldsee und Wangen im Allgäu zu erhalten, aber neue Schwerpunkte zu setzen. Die Pläne wurden erstmals öffentlich vorgestellt. Der Kreistag beschloss, vor der Umsetzung ein Gutachten zur Kliniksituation im Landkreis einzuholen.

Analyse ergibt Doppelstrukturen

Es war der Auftrag des OSK-Aufsichtsrates an die Geschäftsführung, nach den überraschend schlechten Zahlen 2019 sollte herausgefunden werden, warum die Bilanz so schlecht war und ob es strukturelle Probleme gebe, die einen Handlungsbedarf erforderten. Das erklärte Landrat Harald Sievers (CDU) in der Kreistagssitzung. Es war der Auftrag an den damals neuen Klinikchef, Oliver Adolph.

Die "Medizinstrategie" ist das Ergebnis der umfassenden Analyse. Die Zahlen und Daten von Adolph waren eindrücklich. Es gebe doppelte und dreifache Strukturen, vor allem in den Krankenhäusern in Bad Waldsee und Wangen gebe es einen hohen Investitionsstau. Dazu kämen Personal- und Fachkräftemangel und ein enormer wirtschaftlicher Druck.

OSK-Geschäftsführer Oliver Adolph steht im Kreistag vor einer Leinwand und stellt die Medizinstrategie vor. (Foto: SWR)
OSK-Geschäftsführer Oliver Adolph stellt im Kreistag die "Medizinstrategie" vor.

OSK rechnet mit 18 Millionen Euro Defizit

Die Geschäftsführung der Oberschwabenklinik mit ihren 2.800 Beschäftigten rechnet in diesem Jahr mit einem Defizit von 18 Millionen Euro. Ähnliche Ergebnisse seien bis 2025 zu erwarten, also insgesamt weitere rund 50 Millionen Euro Defizit. Die Krankenhäuser hätten mit Problemen zu kämpfen, die durch die Corona-Pandemie verschärft worden seien, so Adolph. Manche Krankenhausleistungen würden nicht mehr gebraucht, die Verweildauer in der Klinik werde kürzer. Bei diesen Rahmenbedingungen gelte es, die medizinische Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die Verfügbarkeit des Personals und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu berücksichtigen.

Klinikleitung entscheidet sich weiter für drei Standorte

Schließlich machte die Geschäftsleitung dem Kreistag den Vorschlag, alle drei Standorte weiter zu betreiben. "Erst einmal", fügte Adolph mit leiser Stimme hinzu. Auf die Krankenhäuser kommen allerdings Veränderungen zu. Die Orthopädie soll von Bad Waldsee und Ravensburg nach Wangen im Allgäu verlegt und dort in einer "Sportklinik Allgäu" konzentriert werden. Wangen soll seine Visceralchirurgie nach Ravensburg abgeben. Ob und wie die Notfallaufnahme und die Geburtenstation am Standort im Allgäu auf Dauer erhalten bleiben, dazu wollte sich Adolph gegenüber dem SWR nicht äußern.

In Bad Waldsee soll der ambulante Bereich etwa bei den radiologischen Leistungen ausgebaut werden. "Flaggschiff der OSK" ist und bleibt das Elisabethen-Krankenhaus in Ravensburg mit seinen breit gefächerten Angeboten. Dorthin verlegt wird auch die Geriatrie aus dem kleinen Heilig-Geist-Spital in der Innenstadt von Ravensburg.

"Das wird insgesamt die Frage sein: Was ist ein Krankenhaus im klassischen Sinne? Wie heute auch debattiert, sind das Begrifflichkeiten aus den 1970er-Jahren. Die Medizin hat sich deutlich weiterentwickelt".

Ins Auge fassen müsse die OSK auch, mit anderen Kliniken der Region zusammenzuarbeiten, beispielsweise mit den Waldburg-Zeil-Kliniken oder dem Medizin Campus Bodensee. Das sei langsam "die letzte Ausfahrt".

Geschäftsführer Oliver Adolph bat im Kreistag um Verständnis für die Veränderungen. Er hofft auf eine Umsetzung des Veränderungsprozesses bis Sommer 2022. Aber weitere Verzögerungen und Konzeptlosigkeit seien nicht ohne Risiko.

In ihren Stellungnahmen erklärten die Fraktionsvorsitzenden, wie wichtig ihnen trotz der schwierigen Situation ein Klinikverbund in öffentlicher Trägerschaft sei. Sie forderten Landrat Harald Sievers und die Klinik-Geschäftsführung auf, die Kommunikation in dem Prozess zu verbessern und transparent zu gestalten.

"Die Öffentlichkeitsarbeit war bislang nicht gerade glorreich."

Einig waren sich die Kreistagsmitglieder und Landrat Sievers, dass in dem Veränderungsprozess nicht nur die betriebswirtschaftliche Seite betrachtet werden dürfe, sondern dass die gute Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund stehe. Dank äußerten die Sprecher gegenüber den OSK-Beschäftigten für ihre Arbeit und ihren Einsatz, insbesondere während der Corona-Pandemie.

Das Bild zeigt das Krankenhaus Bad Waldsee bei Dunkelheit mit beleuchteten Zimmern. (Foto: Pressestelle, Oberschwabenklinik GmbH)
Das Krankenhaus in Bad Waldsee. Pressestelle Oberschwabenklinik GmbH

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