Das Krankenhaus in Radolfzell. (Foto: SWR, Stefanie Baumann)

Krankenhaus soll geschlossen werden

Forderung nach Bürgerbeteiligung bei Krankenhausfrage in Radolfzell

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Die geplante Schließung des Radolfzeller Krankenhauses hat in der Stadt Betroffenheit ausgelöst. Regional- und Landespolitiker von SPD und Grünen fordern nun, die Bürger zu beteiligen.

Die SPD im Kreis will einen Antrag einbringen, dass ein Bürgerforum "Zukunft Klinikverbund" mitsprechen soll. So soll eine Spaltung des Kreises verhindert werden, erklärt Tengens Bürgermeister Marian Schreier im SWR. Es müsse verhindert werden, dass die Standorte gegeneinder ausgespielt werden.

Und auch die Grüne Landtagsabgeordnete Nese Erikli spricht sich dafür aus, die Bürgerinnen und Bürger anzuhören.

"Es ist mir wichtig, dass wir die Bevölkerung in Radolfzell und im Landkreis Konstanz eng einbinden. Da muss ein gutes Verfahren entwickelt und etabliert werden. Denn eine gute Gesundheitsversorgung betrifft alle Menschen."

Entscheidung für Schließung kommt überraschend

Die Empfehlung, die Klinik in Radolfzell zu schließen, kam am Ende doch für viele überraschend. Der Vorsitzende des Radolfzeller Krankenhaus-Fördervereins, Johannes Kögel, sagte dem SWR, man habe gewusst, dass die stark sanierungsbedürftige Klinik auf dem Prüfstand stehe. Mit einem so raschen Aus habe er aber nicht gerechnet. Sein Verein werde für einen längstmöglichen Betrieb der Klinik in Radolfzell (Kreis Konstanz) kämpfen. Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN) hat mit Blick auf den Zeitplan für die Umsetzung der Gutachter-Empfehlung aber bereits angedeutet, dass es schnell gehen soll mit der Schließung.

Kliniken verursachen 18 Millionen Defizit

Hintergrund der Pläne ist ein jährliches Defizit von rund 18 Millionen Euro, das der GLKN mit seinen Kliniken in Konstanz, Singen, Radolfzell und Stühlingen (Kreis Waldshut) macht. Das Gutachten hat verschiedene Szenarien untersucht und empfiehlt, künftig nur noch zwei Krankenhäuser zu betreiben: Das bestehende und sanierte Haus in Konstanz sowie einen modernen Klinik-Neubau an anderer Stelle - der GLKN bevorzugt den Standort Singen. Das dortige Krankenhaus ist ebenfalls sanierungsbedürftig und würde dann ebenfalls geschlossen.

Das Gutachten betrachtet drei Szenarien für die Zukunft des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz.  (Foto: Pressestelle, Landkreis Konstanz)
Das Gutachten betrachtet drei Szenarien für die Zukunft des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz. Pressestelle Landkreis Konstanz

OB Gröger schlägt Neubau in Radolfzell vor

Der Radolfzeller Oberbürgermeister Simon Gröger zeigte sich nach der Bekanntgabe der Pläne am Freitag ebenfalls sehr betroffen. In einer Stellungnahme schrieb er, es sei bitter, dass der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz die Akut-Versorgung in Radolfzell aufgeben wolle. Der Standort habe bedeutsame Potentiale, Gröger verweist zum Beispiel auf die Abteilung für Altersmedizin. Deshalb schlägt der OB vor, statt Singen die Stadt Radolfzell zum Standort für einen zentralen Klinikneubau im Landkreis zu machen. Nicht Singen oder Konstanz, sondern Radolfzell habe dafür die geographisch beste Ausgangslage.

Zentralkrankenhaus statt drei Standorte im Kreis Sigmaringen

Auch in anderen Landkreisen drohen Klinikschließungen. Im Kreis Ravensburg stehen die Kliniken in Bad Waldsee und Wangen, wenn es nach Gesundheitsminister Lucha geht, auf der Abschussliste. Im Bodenseekreis ist die Klinik in Tettnang bedroht. Auch wenn dort der Gemeinderat noch zum Standort steht.

Im Kreis Sigmaringen hat sich der Sigmaringer Kreistag mit großer Mehrheit am Montag dafür ausgesprochen, die beiden Kliniken in Pfullendorf und Bad Saulgau zu schließen. Die stationäre Versorgung soll sich künftig auf den Standort Sigmaringen konzentrieren. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen.

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Stockach geht anderen Weg

Doch, es geht auch anders. In Stockach (Kreis Konstanz) gehört das Krankenhaus der Stadt. Man hat sich dagegen entschieden, Teil des Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz zu werden - und damit das Krankenhaus vor der Schließung bewahrt. Auch wenn dadurch Verluste von der Kommune getragen werden müssen.

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