Schiedsrichter zeigt die Rote Karte (Foto: IMAGO, Pius Koller)

Obmann beklagt zunehmende Aggression

Große Empörung nach Faustschlag gegen Konstanzer Schiedsrichter

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Die Attacke auf einen jugendlichen Schiedsrichter bei einem Fußballspiel in Konstanz am vergangenen Wochenende hat große Empörung ausgelöst. Der Obmann der Schiedsrichter verurteilt den Vorfall.

Es war ein Freundschaftsspiel zwischen C-Jugendmannschaften, also Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, im Konstanzer Teilort Litzelstetten. Doch für den 15 Jahre alten Schiedsrichter endete die Begegnung alles andere als freundschaftlich. Denn laut Polizeibericht soll der Vater eines Spielers dem 15-Jährigen nach dem Spiel mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Schiedsrichter wurde dabei leicht verletzt.

Körperliche Angriffe auf Schiedsrichter selten

Die Empörung ist groß, nicht nur unter den rund 250 Schiedsrichtern im Bezirk Bodensee des Südbadischen Fußballverbandes. Obmann der Schiedsrichtergruppe Konstanz ist Stefan Teufel. Im Gespräch mit dem SWR sagte er, auch ihn habe der Vorfall sehr getroffen. Dass Schiedsrichter verbal angegangen und beschimpft werden, das gebe es öfter. Aber ein körperlicher Angriff, das komme sehr selten vor.

Verband wirbt um Schiedsrichter-Nachwuchs

Der Schiedsrichter-Obmann fürchtet, dass ein Vorfall wie in Konstanz-Litzelstetten auch Auswirkungen auf den Schiedsrichter-Nachwuchs haben und junge Fußballerinnen und Fußballer abschrecken könnte. Der Fußballverband wirbt derzeit um Nachwuchs für die Schiedsrichter-Ausbildung. Im März soll ein Lehrgang für Neulinge beginnen. Teufel sagt, es könne durchaus sein, dass der eine oder andere seine Bewerbung für den Lehrgang jetzt wieder zurückziehe.

"Der betroffene Jugendliche wird sich überlegen, ob er nochmal ein Spiel pfeift."

Zunehmende Aggression nicht nur auf dem Fußballplatz

Stefan Teufel hat den Eindruck, dass die Stimmung nicht nur auf Fußballplätzen aggressiver geworden ist. Betroffen seien auch Ordnungskräfte oder die Polizei. Hinzu komme aber auch, dass man von Vorfällen dieser Art durch deren Verbreitung in den Sozialen Medien viel öfter höre.

"Die Hemmschwelle zu körperlicher Gewalt ist geringer als früher."

Umso wichtiger sei es, die jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gut vorzubereiten auf ihre Aufgaben - und sie intensiv zu betreuen. Sie bekämen zum Beispiel einen Paten an die Seite gestellt, der sie in ihrem ersten Jahr als Schiedsrichter begleiten würde.

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