Vor der Abstimmung wurde über eine Ergänzung der Beschlussvorlage gerungen. Bad Saulgaus Bürgermeisterin Doris Schröter (parteilos) wollte die Entscheidung für die Schließung der Krankenhäuser davon abhängig machen, dass das Gelände und das Klinikgebäude an ihre Stadt verkauft werden. Um eine lange Hängepartie zu verhindern, unterstützte der Kreistag lediglich, dass die SRH-Kliniken in Kaufverhandlungen mit Bad Saulgau eintreten, unabhängig vom Ausgang der Gespräche.

Mit der Schließung der beiden Krankenhäuser soll in Pfullendorf ein medizinisches Versorgungszentrum entstehen und das bestehende in Bad Saulgau erweitert werden - unter anderem um einen unfallchirurgischen Stützpunkt. Die Stadt Bad Saulgau möchte das Krankenhaus und das dazugehörige Gelände vom Klinikbetreiber abkaufen und weiter medizinisch nutzen.
"Wir müssen das Haus zeitnah wieder mit medizinischen Versorgungsdienstleistungen füllen."
Außerdem stimmte der Kreistag dem Baubudget für die Erweiterung und die Sanierung des SRH-Krankenhauses in Sigmaringen zu. Der Umbau soll insgesamt fast 109 Millionen Euro kosten.
"Es war klug und auch richtig, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - und auch für die Bürger - Klarheit zu haben, wie es mit der stationären Versorgung weitergeht."
Bürgerinnen und Bürger demonstrieren für Erhalt der Kliniken
Doch das sehen nicht alle Menschen im Kreis so wie die Landrätin. Dass das Thema hoch emotional ist, zeigte sich auch daran, dass wieder zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zu der Sitzung des Kreistages gekommen sind und mit Schildern und Plakaten für den Erhalt der Kliniken demonstrierten.

Neues Klinikbündnis kämpft für kleinere Standorte
Auch in anderen Orten treibt das Thema Menschen um: Das neu gegründete Krankenhaus-Bündnis Bodensee-Oberschwaben im Kreis Ravensburg kämpft ab sofort für den Erhalt kleinerer Klinikstandorte wie Tettnang oder Bad Waldsee. Vertreter von politischen Parteien, Gewerkschaften, kirchlichen Organisationen sowie der betroffenen Kliniken in Bad Waldsee, Wangen im Allgäu und Tettnang würden nun dafür kämpfen, dass die Klinikstandorte erhalten blieben, sagte Frank Kappenberger vom Krankenhausbündnis.
Auslöser für das Bündnis war die Äußerung von Gesundheits- und Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) vergangenen Dezember im Kreistag Ravensburg, er sehe keine Zukunft für die Klinikstandorte.