Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Unternehmen befürchten Einbußen bei Lieferstopp

IHK Bodensee-Oberschwaben besorgt wegen Gasversorgung

STAND

Ab Mittwoch will der russische Konzern Gazprom die Gaszufuhr durch die Pipeline Nord Stream 1 weiter reduzieren. Das beschäftigt zunehmend auch Unternehmen im Bereich der IHK Bodensee-Oberschwaben.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), Martin Buck, warnte auf der Vollversammlung in Weingarten vor einem drastischen Wirtschaftseinbruch. Bei einem Gaslieferstopp drohe der Region Bodensee-Oberschwaben ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von bis zu acht Prozent. Die industriestarke Region sei dringend auf Energieimporte angewiesen.

IHK fordert Hilfen für betroffene Unternehmen

In einem Beschluss wurde festgehalten, dass mögliche Abschaltregelungen transparent gestaltet und besonders stark betroffene Unternehmen möglichst unterstützt werden sollen. IHK-Präsident Buck rief zudem zum Zusammenhalt beim Energiesparen auf.

"Die Aufgabe ist nur gemeinsam als Gesellschaft zu lösen und bedeutet insbesondere jetzt, Gas und Strom zu sparen. Egal, ob als Unternehmen oder privat."

Bei der IHK-Vollversammlung waren auch Experten eingeladen, die Vorträge zur Gas- und Stromversorgung hielten. So drohten insbesondere für den Süden und Osten Deutschlands im kommenden Winter Engpässe beim Gas, sagte Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt und Industrie beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Die Förderung von Schiefergas, also Erdgas aus sogenannten Tonsteinen, sei kurzfristig keine Alternative zu Gasimporten. Dafür müssten erst Kapazitäten aufgebaut werden.

"Schiefergas in Deutschland könnte dann voraussichtlich frühestens 2026 einen signifikanten Beitrag leisten."

Schiefergas keine kurzfristige Lösung für Engpässe

Eine Alternative zum teuren Flüssiggas aus Übersee könne diese Rohstoffquelle mittelfristig darstellen. Auch die Lage bei den Stromnetzen sei eine Herausforderung, sagte Olaf Sener, Leiter des Asset-Management beim Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW. Süddeutschland werde langfristig von Stromimporten abhängig bleiben.

"Wir sind ganz weit weg davon, uns selbst mit Strom zu versorgen."

Vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien technisch möglich

Das Stromnetz müsse noch wesentlich konsequenter ausgebaut werden. Die Versorgung Europas aus ausschließlich erneuerbaren Energien sei aber technisch machbar. Der Aufwand sei allerdings hoch.

Zur IHK Bodensee-Oberschwaben gehören etwa 37.000 Unternehmen in den Kreisen Ravensburg, Sigmaringen und im Bodenseekreis.

Mehr zum Thema Gasmangel

Mögliche Lieferdrosselung EU einigt sich offenbar auf Gas-Notfallplan

Angesichts Russlands Ankündigung, die Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiter zu reduzieren, haben sich die EU-Staaten offenbar auf einen Notfallplan geeinigt. Nach dpa-Informati…  mehr...

Konstanz

Beschluss im Gemeinderat Zwei Bäder könnten in Konstanz wegen Gasmangel geschlossen werden

Die Stadt Konstanz überlegt, wie sie Gas einsparen kann. Der Gemeinderat hat deshalb am Donnerstag beschlossen, dass zwei der drei Bäder zeitnah geschlossen werden könnten, sollte nicht ausreichend Gas geliefert werden.  mehr...

SWR4 BW Aktuell am Mittag SWR4 Baden-Württemberg

Kißlegg

Drohende Energiekrise wegen Ukraine-Krieg Kißlegger Firma: Biogas könnte Gas-Engpässe abfedern

Biogasanlagen könnten drohende Gas-Engpässe entschärfen. Darauf weist die Firma "Biologische Reststoff Verwertung" in Kißlegg im Allgäu (Kreis Ravensburg) hin. Doch es gibt bürokratische Hürden.  mehr...

SWR4 BW am Vormittag SWR4 Baden-Württemberg

STAND
AUTOR/IN
SWR