Männer stehen mit IG Metall Fahnen und roten Pfeifen auf einem Platz. (Foto: Pressestelle, IG Metall Bodensee-Oberschwaben)

Warnstreik bei Wohnmobil- und Möbel-Herstellern

Große IG-Metall-Demonstration bei Hymer in Bad Waldsee

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Rund 3.000 Menschen haben am Donnerstag im Raum Oberschwaben-Allgäu an Warnstreiks für eine bessere Bezahlung in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie teilgenommen.

Beim Wohnwagenfabrikanten Hymer in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg) versammelten sich laut der Gewerkschaft IG Metall 1.300 Menschen zu einer Demonstration. Zu dem Aktionstag aufgerufen hatte die Gewerkschaft, wie der Geschäftsführer der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben dem SWR bestätigte. Weitere Streiks habe es unter anderem bei den Wohnmobilherstellern Dethleffs in Isny und Carthago in Aulendorf sowie beim Möbelhersteller Martin Staud in Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) gegeben.

Forderung: 4,5 Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaft fordert 4,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Außerdem sollen die Bedingungen zum Beispiel für Altersteilzeit mithilfe eines größeren sogenannten Demographie-Fonds attraktiver gestaltet und Belastungen der Beschäftigten mit einem Extra-Angebot kompensiert werden. Das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite sei "ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten", so Helene Sommer, die erste Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben.

Arbeitgeberseite sträubt sich gegen eine der Gewerkschafts-Forderungen

Die Arbeitgeber bieten bislang 2,5 Prozent mehr Lohn in zwei Stufen über 30 Monate, beginnend ab März. Das bestätigte Clemens Lüken, der Geschäftsführer des VHK, des Verbands der Holzindustrie und Kunststoffverarbeitung Baden-Württemberg, dem SWR. Er sitzt mit am Verhandlungstisch und sagt, grundsätzlich sei man bereit, sowohl über Entgelt und höhere Einzahlungen in den sogenannten Demografie-Fond zu verhandeln. Wobei man berücksichtigen müsse, dass einige Betriebe der Branche wegen der aktuellen Materialknappheit schon Kurzarbeit anmelden mussten, auch in Oberschwaben.

Die dritte Forderung der IG Metall, eine Ausgleichszahlung für Belastungen der Beschäftigten, werde aber ausschließlich in Baden-Württemberg erhoben, so Lüken. Das sehe man nicht ein, zumal aus seiner Sicht auch der Demografie-Fonds bereits solche Belastungen berücksichtige.

Männer mit Masken sind vor IG-Metall Fahnen zu sehen. (Foto: Pressestelle, IG Metall)
1.300 Menschen beteiligten sich an dem Warnstreik bei Hymer in Bad Waldsee. Pressestelle IG Metall

Die dritte Verhandlungsrunde für die rund 30.000 Beschäftigten in der baden-württembergischen Holz- und Kunststoffindustrie findet nach Angaben von IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben und VHK kommenden Dienstag in Friedrichshafen-Ailingen (Bodenseekreis) statt.

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