Hammer im Gerichtssaal: Ein Geistlicher wurde vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen. (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck (Symbolbild))

Massenschlägerei in Singen

Gericht verurteilt 20-Jährigen zu Haftstrafe

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Nach einer Massenschlägerei in Singen (Kreis Konstanz) ist ein 20-Jähriger am Mittwoch wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden.

Das Konstanzer Jugendschöffengericht hat am Mittwoch einen 20-jährigen Syrer wegen gefährlicher Körperverletzung unter Einbeziehung einer anderen Vorstrafe zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Das teilte der Direktor des Konstanzer Amtsgerichts, Franz Klaiber, dem SWR mit. Der Angeklagte habe gestanden, bei einer Massenschlägerei in Singen im März dieses Jahres eine Person mit dem Fuß gegen den Oberkörper getreten zu haben. Eine andere Person habe er mit der Hand an den Kopf schlagen wollen, aber nicht getroffen. Laut Gerichtssprecher ist es dabei zu keinen ernsthaften Verletzungen gekommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

SWR-Reporter Martin Hattenberger über das Urteil:

Weitere Verfahren gegen Beschuldigte laufen noch

Der Prozess gegen den 20-Jährigen sei aber nur ein kleines Mosaikstück der gesamten Schlägerei gewesen, so Klaiber. Laut Staatsanwaltschaft Konstanz sind derzeit sechs Verfahren gegen weitere Beschuldigte anhängig. Es sei aber bei einem so unübersichtlichen Geschehen sehr schwierig festzustellen, wer angefangen habe zu schlagen und wer sich lediglich verteidigt habe, hieß es weiter. Deswegen sei es unklar, ob es zu weiteren Anklagen komme.

Stadt Singen reagiert auf Schlägerei

Die Stadt Singen hatte auf die Massenschlägerei reagiert. Im Sommer sprach sie ein dreimonatiges Aufenthalts- und Waffenverbot für insgesamt 27 Familienmitglieder zweier syrischer Familien aus. Dies galt in großen Teilen der Singener Innenstadt. Für Ausnahmen wie etwa einen Arztbesuch mussten die Betroffenen eine Erlaubnis bei der Stadt Singen einholen. Nach Angaben der Stadt Singen gab es insgesamt sechs Verstöße, für die jeweils ein Bußgeld von 500 Euro verhängt wurde.

Modellprojekt "Kommunales Konfliktmanagement" eingerichtet

Außerdem bekam der kommunale Ordnungsdienst Verstärkung von der Bereitschaftspolizei des Landes, die Beamten kontrollierten zusätzlich in der Singener Innenstadt. Die Stadt will aber auch eine längerfristige Lösung finden. Darum hat sie ein "Kommunales Konfliktmanagement" eingerichtet, so ein Sprecher der Stadt. Das sei ein deutschlandweites Modellprojekt.

Konflikte schon seit Jahren

Schon seit Jahren sind in Singen zwei syrische Clans verfeindet, sie bekämpften sich teils bis aufs Blut. Vergangenes Jahr hatte das Landgericht Konstanz sechs Männer nach einem Angriff zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt, zwei Angeklagte kamen mit einer Bewährungsstrafe davon. Sie wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. 

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SWR