Blaulicht (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Nach Massenschlägerei

Singener OB will mehr Polizeipräsenz in der Stadt

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Nach einer Massenschlägerei zwischen zwei Gruppen am Dienstag in Singen (Kreis Konstanz) sind noch vier Beteiligte im Krankenhaus. Die Stadt reagiert mit mehr Polizei im Stadtgebiet.

Der Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler (CDU) zeigte sich im SWR-Interview immer noch geschockt von den Vorfällen in seiner Stadt. Er sei in der Gemeinderatssitzung gesessen, als er draußen die Polizei- und Krankenwagen habe vorbeifahren hören. Jetzt gelte es, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man sich in der Stadt sicher bewegen könne, so Häusler. Dafür habe er einen Runden Tisch mit der Polizei ins Leben gerufen.

"Wir werden jetzt verstärkt den kommunalen Ordnungsdienst einsetzen und auch die Polizeipräsenz erhöhen."

Eine weitere Möglichkeit seien Platzverweise. Doch dafür müssten die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Ebenso versuche die Stadt seit langem durch Integrationsarbeit in Gespräche mit den migrantischen Gruppen zu kommen, die unter Verdacht stehen, für die Massenschlägerei verantwortlich zu sein. Doch solche Angebote müssten eben auch angenommen werden, so Häusler im SWR.

Vier junge Menschen noch im Krankenhaus

Bei der heftigen Schlägerei in der Singener Innenstadt wurden am Dienstag mehrere Menschen verletzt. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam mit. Vier Beteiligte befinden sich nach Polizeiangaben noch in stationärer Behandlung, Lebensgefahr bestehe aber nicht. Zur Aufklärung der Hintergründe der Auseinandersetzung und der gefährlichen Körperverletzungen richtete die Polizei die zwölfköpfige Ermittlungsgruppe "Platz" ein.

Dass die Massenschlägerei im Zusammenhang mit einem seit Jahren bestehenden Konflikt zwischen zwei syrischen Familien-Clans in Singen steht, bestätigte die Polizei gegenüber dem SWR bisher nicht.

Die Polizei bittet Passanten, die den Vorfall gefilmt haben, die Videos in einem Onlineportal hochzuladen. Zudem wurde ein Hinweistelefon eingerichtet.

Was genau war passiert?

Am frühen Dienstagabend hatten sich zwischen 20 und 30 junge Menschen in der Innenstadt von Singen geprügelt, warum genau war zunächst unklar. Zehn der Beteiligten seien verletzt worden, einer davon schwer, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Ob Waffen im Spiel waren, müsse noch ermittelt werden. Beim Eintreffen der Streifenwagen hätten sich die Beteiligten zunächst in angrenzende Straßen geflüchtet und sich dort weiter attackiert, hieß es am Dienstag.

Immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Clans in Singen

Schon seit Jahren sind in Singen zwei syrische Clans verfeindet, sie bekämpften sich teils bis aufs Blut. Vergangenes Jahr hatte das Landgericht Konstanz sechs Männer nach einem Angriff zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt, zwei Angeklagte kamen mit einer Bewährungsstrafe davon. Sie wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Aus Platzgründen fand die Verhandlung damals nicht in Konstanz, sondern im Hochsicherheitsgericht in Stuttgart-Stammheim statt.

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Angriff im Dezember 2020 sorgte für großes Aufsehen

Es war "ein äußerst brutaler Überfall", sagte der Vorsitzende Richter im vergangenen Jahr. Mit "einer Skrupellosigkeit" seien die acht Angeklagten auf die verfeindete Familie losgegangen - mitten am Tag, in aller Öffentlichkeit. Ein Mann erlitt bei dem Angriff im Dezember 2020 erhebliche Schnittverletzungen. Wegen des großen Blutverlusts sei er "in eine lebensgefährliche Situation gekommen", erklärte der Vorsitzende Richter.

Das Gericht bewertete den Übergriff als zielgerichtete Gruppentat. Die Vorbereitungen liefen demnach über einen Chat, die Angeklagten seien planmäßig und arbeitsteilig vorgegangen. Vermutlich handelte es sich um eine Racheaktion für eine Schlägerei wenige Tage zuvor, die Fehde soll seit Jahren andauern. Kurz nach der Tat wurden die Männer festgenommen und kamen in Untersuchungshaft.

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SWR