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Der Konstanzer Gemeinderat hat sich am Donnerstag dagegen entschieden, bis 2030 klimapositiv zu sein. Ein Antrag dafür kam von der Freien Grünen Liste, dem Jungen Forum und der Linken Liste Konstanz.

Mit 21 zu 20 fiel das Ergebnis denkbar knapp aus. Der Antrag, den die Gemeinderatsfraktionen in Kooperation mit "Fridays for Future"-Aktivisten erarbeitet hatten, wurde somit abgelehnt. Stattdessen stimmte der Gemeinderat einem Antrag der Verwaltung, der durch die SPD-Fraktion ergänzt wurde, schließlich mit 32 Ja-Stimmen zu. Dieser sieht vor, dass Konstanz weiterhin klimaneutral werden soll. Ein genaues Jahr wird aber nicht genannt. Zum Zeitpunkt heißt es in dem Antrag: "Man beschließe das Ziel schnellstmöglich zu erreichen."

OB spricht trotzdem von historischem Beschluss

Nach der Abstimmung sprach Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) trotzdem von einem "extrem ambitionierten und historischen Ziel". Bis die Stadt Konstanz klimaneutral sein werde, gebe es noch viele harte Nüsse zu knacken. Doch die Absicht, des Gemeinderats das zu erreichen sei "ein historischer und besonderer Beschluss".

Dabei helfen soll das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu). Es wurde beauftragt, eine Klimaschutzstrategie für Konstanz zu erarbeiten und die Ziele der Stadt in Maßnahmen umzuwandeln. Ein Vertreter des Ifeus sagte, selbst wenn man erst 2035 klimaneutral wäre, werde das ein knallharter Weg.

Fridays For Future-Aktivistin spricht vor Gemeinderat

In der Debatte wurden auch die Aktivisten von "Fridays for Future" (FFF) angehört. Die 16-jährige Frida Mühlhoff sprach für die FFF-Ortsgruppe Konstanz. Sie zeichnete ein düsteres Bild von der Zukunft. Wenn eine "Heißzeit" mit vier Grad Erderwärmung käme, würde das fatale Folgen für die Menschheit haben.

"Die Zukunft ist nichts Verheißungsvolles mehr, sondern etwas, das mir Angst macht."

Frida Mühlhoff, Fridays for Future Konstanz
Eine junge Frau und drei junge Männer von Fridays for Future sitzen an einem Tisch. Auf einem Banner, das an dem Tisch hängt, steht Konstanz bricht den Klimanotstand. (Foto: SWR, Stefanie Baumann)
Aktivisten der Fridays for Future Ortsgruppe Konstanz zeigten sich enttäuscht von der Entscheidung des Gemeinderats. Stefanie Baumann

Doch noch sei nicht alles verloren. Dafür müsse allerdings die Grenze der Erderwärmung von maximal 1,5 Grad bis 2035 eingehalten werden, so Mühlhoff.

Deshalb kritisiert die Konstanzer "Fridays for Future"-Bewegung auch die Ablehnung des Antrages "Konstanz klimapositiv 2030". Ohne eine konkrete Jahreszahl als Ziel, würde es im Klimaschutz zu langsam vorangehen, so die Befürchtung der FFF-Aktivisten.

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