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Die Initiative "Stolpersteine - gegen Vergessen und Intoleranz" und die Synagogengemeinde Konstanz gedenken am Donnerstagabend der Deportation von Konstanzer Juden durch die Nationalsozialisten in das französische Lager Gurs.

Am 22. Oktober 1940 war der letzte Tag des traditionellen jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot. Frühmorgens klingelten Gestapo und Polizisten an den Wohnungen von 112 Juden in Konstanz. In ein paar Stunden sollten sie ihre Sachen packen sowie Wolldecken und Verpflegung für drei Tage mitbringen, hieß es. Am Bahnhof Petershausen standen alte ausrangierte Personenzüge zur Zwangsverschickung bereit. Insgesamt wurden innerhalb weniger Tage 6.500 Juden aus ganz Baden und der Saarpfalz ins Internierungslager Gurs deportiert. Darunter waren 560 Kinder und Jugendliche. Die meisten kehrten nie wieder zurück.

Die Bildergalerie zeigt die Deportation anhand von Archivbildern aus Kippenheim (Ortenaukreis) und Lörrach.

Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich (Foto: Stadtarchiv Lörrach)
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Lörrach ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich Stadtarchiv Lörrach Bild in Detailansicht öffnen
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Lörrach ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich Stadtarchiv Lörrach Bild in Detailansicht öffnen
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Lörrach ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich Stadtarchiv Lörrach Bild in Detailansicht öffnen
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Kippenheim (Ortenaukreis) ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich. Zu sehen ist die Abholung der Familie von Dr. Kurt Salomon Maier. Er war zehn Jahre alt, die Familie konnte aus dem Lager Gurs heraus 1941 in die USA auswandern. Maier lebt heute in Washington D.C. Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e. V. Bild in Detailansicht öffnen
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Kippenheim (Ortenaukreis) ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e. V. Bild in Detailansicht öffnen
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Kippenheim (Ortenaukreis) ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e. V. Bild in Detailansicht öffnen
Archivbilder der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Kippenheim (Ortenaukreis) ins Konzentrationslager in Gurs, Südfrankreich Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e. V. Bild in Detailansicht öffnen

Katastrophale Zustände im Lager

Viele der Menschen, die in Gurs untergebracht waren, starben wegen der katastrophalen hygienischen Zustände und fehlender medizinischer Versorgung an Entkräftung, Hunger und Krankheit. Wer die Zeit in Gurs überlebte, wurde ab dem August des Jahres 1942 über das Sammellager Drancy bei Paris in die Vernichtungslager im Osten, vor allem nach Auschwitz-Birkenau gebracht und dort ermordet. Weniger als die Hälfte der deportierten Konstanzer Juden überlebte den Holocaust.

Häftlinge hinter Stacheldraht (Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg)
Zahlreiche Häftlinge hinter dem Stacheldraht des Lagers Landesarchiv Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Häftlinge beim Essen im Internierungslager Landesarchiv Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Weibliche Häftlinge im Lager Gurs Landesarchiv Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Frauen beim Wäscheaufhängen im Lager Gurs Landesarchiv Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Das Internierungslager im südfranzösischen Gurs Landesarchiv Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen

Für jedes Opfer eine Kerze

Für jedes der 112 Konstanzer Opfer wird heute Abend eine Kerze angezündet und der Name verlesen. Schülerinnen und Schülern werden Zeitzeugenberichte verlesen und das Gedenken musikalisch begleiten, teilt die "Stolperstein"-Initiative mit. Der Gemeinderat will mit einer Schweigeminute an die Verschleppung der jüdischen Mitbürger erinnern.

Jüdische Gedenkstele in Konstanz (Foto: SWR, Eichenhofer)
Stele in der Konstanzer Sigismundstraße zur Erinnerung an die in das Lager Gurs deportierten Konstanzer Juden und Jüdinnen. Am Donnerstagabend findet dort die Gedenkfeier statt. Eichenhofer

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