STAND

Der Sigmaringer Kreistag hat sich in einer außerordentlichen Sitzung am Mittwoch in Bingen mit der Schließung der Geburtshilfe in Bad Saulgau befasst. Zuvor wurde eine Unterschriftenliste übergeben.

Knapp 10.000 Unterschriften gegen die Schließung übergab der "Förderverein Krankenhaus Bad Saulgau" der Sigmaringer Landrätin, Stephanie Bürkle, und der Klinikleitung. Eine Sprecherin des Vereins sagte dem SWR, die große Zahl der Unterschriften zeige, wie sehr die Schließung der Geburtshilfe die Menschen in Bad Saulgau und Umgebung beschäftige. Man wolle weiterkämpfen. Inzwischen habe es Gespräche mit Hebammen gegeben. Es gebe also noch Hoffnung, dass sich eine Lösung ergibt.

Kreistag will Abteilung schnell wieder öffnen

Am Ende der außerordentlichen Kreistagssitzung stimmte eine große Mehrheit der Kreistagsmitglieder für einen Antrag, in dem die Klinikleitung aufgefordert wird, alles zu tun, dass die Geburtshilfe schnell wieder geöffnet wird. In der Debatte kritisierten Kreisräte die Geschäftsführung der SRH-Kliniken Sigmaringen und bezweifelten, ob sie genug unternommen habe, Hebammen für die Bad Saulgauer Geburtshilfestation anzuwerben. Zudem sei es um den Ruf der Klinik und das Betriebsklima nicht gut bestellt, so der Vorwurf.

Schließung wegen Personalmangels

Die zuständigen SRH-Kliniken Sigmaringen hatten die Entscheidung, die Geburtshilfe in Bad Saulgau vorläufig zu schließen, vor etwas mehr als vier Wochen mitgeteilt und mit Personalmangel begründet. Es fehlten Hebammen, dies sei aber ein bundesweites Problem, so der Geschäftsführer, Jan-Ove Faust, in der Kreistagssitzung.

Die Geburtshilfestation in Bad Saulgau ist seit Monatsanfang geschlossen. Jährlich kamen dort rund 700 Kinder zur Welt. Die Sigmaringer Landrätin und Vorsitzende im Aufsichtsrat der SRH-Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH, Stephanie Bürkle, erklärte in der Kreistagssitzung, die Geburtshilfestation werde geöffnet, sobald "wir Personal haben".

Großes Interesse und Proteste

Die Kreistagssitzung in Bingen wurde begleitet von Bürgerprotesten gegen die Schließung. Die über 100 Zuhörerplätze in der Bingener Halle waren voll besetzt. Zu sehen waren Protestplakate wie "Ohne Hebammen geht gar nix" oder "Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe". Der "Förderverein Krankenhaus Bad Saulgau" kündigte für den 24. März in Bad Saulgau eine Demonstration gegen die Schließung der Geburtshilfestation an.

Angst um Krankenhaus-Standort

Bürgermeisterin Doris Schröter sagte, es gehe nicht nur um die Interessen der Stadt. Es gehe um den Erhalt der Geburtenstation und des Krankenhauses in Bad Saulgau. Die wohnortnahe, medizinische Grundversorgung für die Menschen müsse erhalten bleiben.

Auch viele Bürgerinnen und Bürger bangen um den Erhalt der Geburtshilfe in Bad Saulgau. Für sie würde das weitere Anfahrtswege in die umliegenden Krankenhäuser bedeuten, so zum Beispiel nach Sigmaringen, Ravensburg oder auch nach Biberach. Doch auch diese Geburtenstationen seien zum Teil an der Kapazitätsgrenze.

Im Juni hatte die Klinik bekanntgegeben, dass sie zum 1. Juli die Geburtshilfestation nicht weiterführt - drei Wochen vor Schließung. Wir berichteten im SWR-Fernsehen:

Video herunterladen (6,3 MB | MP4)

Mehr zum Thema

Bad Saulgau

Kritik an geplanter Verlegung Schließung der Geburtenstation in Bad Saulgau wegen Personalmangels

Das Landratsamt Sigmaringen und die SRH Kliniken weisen Vorwürfe wegen der Schließung der Geburtenstation in Bad Saulgau zurück. Diese sei nur vorübergehend und habe personelle Gründe, nicht wirtschaftliche.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Internationaler Hebammentag Hebammen in Rheinland-Pfalz: "Da bekommt man Bauchschmerzen"

Zu wenige Hebammen, mehr Arbeit und viel mehr Papierkram: Der Job der Hebammen in Rheinland-Pfalz ist stetig schwieriger geworden. Die seit mehr als einem Jahr andauernde Corona-Pandemie macht es ihnen zusätzlich schwer.  mehr...

Bildung Hebammen an die Hochschule – Ein Ausbildungsberuf wird zum Studium

Wer Hebamme werden will, muss seit Januar 2020 studieren. Die Akademisierung der Ausbildung soll den Beruf aufwerten und auch dem Hebammenmangel entgegenwirken.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

STAND
AUTOR/IN