Große Maschinen waschen Textilien in einer Großwäscherei. (Foto: SWR)

Gas-Misere für Textilbetriebe

Gas wird knapp: Druck auf Biberacher Großwäscherei wächst

STAND
AUTOR/IN
Christian Michael Hammer

Die steigenden Gaspreise und eine drohende Knappheit vergrößern den Druck auf Textilreinigungen. Bei einer Priorisierung gelten sie nicht als systemrelevant. Wie die Lage ist.

Die Gaspipeline Nord Stream 1 ist für zehn Tage für jährliche Wartungsarbeiten dicht. Und viele treiben die Fragen um: Fließt danach überhaupt noch russisches Gas und können die Vorräte aufgefüllt werden? Fakt ist: Bei Gasnotstand wird priorisiert und das kann bitter ausgehen für viele Betriebe in Baden-Württemberg. Denn zahlreiche Firmen gehören nicht zur priorisierten Branche und haben jetzt schon mit den steigenden Energiekosten zu kämpfen - wie ein kleines Textilpflegeunternehmen in Biberach.

Große Maschinen waschen Textilien in einer Großwäscherei. (Foto: SWR)
Acht bis neun Tonnen Wäsche am Tag liefert die Fima Textilservice Liebhardt unter anderem an Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und die Hotellerie.

Biberacher Firma besorgt

Die Großwäscherei von Eva Löffelhardt in Biberach sorgt dafür, dass Krankenhäuser und andere systemrelevante Betriebe in der Region, wie Metzgereien und Bäckereien genug saubere Wäsche haben. Doch für die Reinigung brauchen die Maschinen Dampf und warmes Wasser und dafür wiederum Gas. In diesem Biberacher Textilpflegebetrieb hängen zwei Drittel der Maschinen direkt an der Gasleitung. Eva Löffelhardt führt den Betrieb und fährt aufgrund der explodierenden Energiekosten schon einen Sparkurs. Doch auch da ist irgendwann Schluss, sagt sie.

"Wir versuchen Maschinen frühzeitig abzuschalten, wenn diese nicht mehr benötigt werden. Wir haben dazu auch die Mitarbeiter ins Boot geholt, dass sie uns dabei unterstützen."

Rund 55 Angestellte arbeiten in der Firma in Biberach. Eva Löffelhardt betreibt das Unternehmen in vierter Generation. "So eine Situation hat es in der ganzen Firmenlaufbahn noch nie gegeben", sagt Löffelhardt. Steigende Kosten treffen auf die große Unsicherheit, ob der Gashahn weiterläuft. Denn für die Textilpflegebranche ist im Vergleich zu anderen Bereichen eine priorisierte Gasversorgung nicht gesichert - und das kann weitreichende Auswirkungen haben.

Video herunterladen (10,7 MB | MP4)

Ohne Gas stehen aber nicht nur viele Maschinen in der Textilpflegebranche still. Auch anderswo wird es knapp. Nach Angaben der Deutschen Textilreinigungsverband sind Gespräche mit der Politik schon angestoßen. Der Verband drängt darauf, dass Textilbetriebe ebenfalls als systemrelevant eingestuft werden. Die Branche sei unverzichtbar für viele Bereiche der kritischen Infrastruktur, so das Argument. Im Fall, dass die Branche ausfällt, müssten Kliniken binnen eineinhalb Tagen ebenfalls ihren Betrieb einstellen, heißt es vom Verband. Die Krankenhäuser hätten dann schlicht keine Wäsche mehr.

Große Maschinen waschen Textilien in einer Großwäscherei. (Foto: SWR)
Die Maschinen laufen größtenteils mit Energie aus Erdgas. Setzt Russland nun seine Gaslieferungen aus, wird es auch für Textilbetriebe eng. Sie werden bei einer Priorisierung bisher nicht berücksichtigt.

Regierung feilt am Notfallplan für den Ernstfall

Die Bundesnetzagentur will im August vorbereitet sein. Denn: Ohne Gas stehen aber nicht nur viele Maschinen in der Textilpflegebranche still. Es trifft auch Sektoren wie die Chemie-, Aluminium-, Stahl oder Lebensmittelverarbeitung und damit die großen Player im Zuständigkeitsbereich der IHK Ulm.

"Die Unternehmen bereiten sich momentan so gut vor, wie es eben gerade geht. Viele setzen auf Energiesparmaßnahmen und beschaffen Notstromaggregate".

Die IHK wolle Unternehmen ständig über die Situation auf dem Laufenden halten. Dazu richtet der Verband auf seiner Homepage eigene Tools ein.

Ernste Lage ja, Existenzbedrohung noch nicht

Im Vergleich zu anderen Betrieben geht es bei Eva Löffelhardt in Biberach noch nicht um die Existenz. Doch auf entspannte Zeiten könne sie aktuell nicht hoffen. Neben den gestiegenen Energiepreisen müsse das Unternehmen zudem noch höhere Personalkosten schultern.

"Täglich kommen neue Schlagzeilen, keiner weiß, wo’s hingeht. Die Situation ist akut - es muss etwas passieren."

Die Regierung sei nun gefragt, schnell eine Lösung zu finden. Der Druck werde zusehends größer.

Mehr zum Thema Gasknappheit

Ulm

Chef der Stadtwerke Ulm zur Gaskrise "Die Lage ist ernst, aber noch kein Grund zur Panik"

Gas ist ein knappes Gut. Schon jetzt müssen Energieversorger wie die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) fehlendes Gas zu teuren Konditionen nachkaufen. Aber wie ernst ist die Lage wirklich?  mehr...

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg Vielleicht schließt bald dein Lieblingsschwimmbad 🏊​

Wegen steigender Gas- und Strompreise droht mindestens 45 Bädern in Baden-Württemberg das Aus.  mehr...

DASDING DASDING

Oberkochen

Ministerpräsident Kretschmann bei Zeiss SMT in Oberkochen Zeiss muss Strategien gegen drohende Gas-Knappheit entwickeln

Ein Arbeitstreffen auf Chef-Ebene: Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) trifft den Chef des Zeiss-Konzerns, Karl Lamprecht, in Oberkochen. Es geht um Gas - und Computerchips.  mehr...

SWR4 BW aus dem Studio Ulm SWR4 BW aus dem Studio Ulm

STAND
AUTOR/IN
Christian Michael Hammer