In Oberschwaben und am Bodensee droht in den nächsten Jahren ein Hausärztemangel. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa /Patrick Pleul (Symbolbild))

Studie der Robert Bosch Stiftung zum Hausarztmangel

Am Bodensee droht medizinische Unterversorgung

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In Oberschwaben und am Bodensee werden in den kommenden Jahren viele Hausarztpraxen schließen. Besonders betroffen sind die Landkreise Ravensburg und Konstanz. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Studie der Robert Bosch Stiftung.

Demnach wird die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte bis 2035 im Kreis Ravensburg um 47 Prozent zurückgehen, im Kreis Konstanz um 46 Prozent. In den Kreisen Bodensee und Sigmaringen ist die Lage laut Studie etwas besser, hier wird nur etwa jede dritte Praxis schließen. Einzige Ausnahme ist der Kreis Biberach: Hier wird sich laut Robert Bosch Stiftung in den kommenden Jahren sogar die Versorgung mit Hausarztpraxen verbessern. Im Gespräch mit SWR-Moderatorin Karin Wehrheim erklärt Bernadette Klapper von der Robert Bosch Stiftung, warum manche Landkreise mehr und andere weniger betroffen sind:

Hausärzte finden keine Nachfolger

Gründe für die drohende Versorgungslücke sind laut Studie: Die derzeit praktizierenden Hausärzte hören bis 2035 altersbedingt auf und finden keine Nachfolger. Immer weniger junge Medizinerinnen und Mediziner wollen sich als Hausarzt niederlassen, so Bernadette Klapper. Die Nachwuchsärzte arbeiten laut Stiftung lieber in Teams, bevorzugen Angestelltenverhältnisse und Teilzeitmodelle. Außerdem wollen sie sich mehr um die Medizin und weniger um den Verwaltungskram kümmern.

Aufbau regionaler Gesundheitszentren

Das Land Baden-Württemberg versucht, Anreize zu schaffen, damit junge Mediziner sich auch in ländlichen Regionen als Hausärzte niederlassen. Der Landtag hat im Februar beschlossen, dass jährlich 75 Medizin-Studienplätze für Menschen reserviert werden, die dann später verpflichtend für mindestens zehn Jahre als Landärztin oder Landarzt arbeiten. Die Robert Bosch Stiftung empfiehlt den Aufbau regionaler Gesundheitszentren, in denen Angehörige verschiedener gesundheitlicher Berufe zusammenarbeiten. Es gebe in den kommenden Jahren mehr ältere Menschen mit chronischen und Mehrfacherkrankungen. Diese bräuchten eine umfassende Versorgung. Daher genüge es nicht, nur die Zahl der Hausärzte zu erhöhen.

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