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Die Berufsfischer am bayerischen Bodensee fangen derzeit nach eigenen Angaben erfreuliche Mengen Felchen. Grund sei ein ausreichendes Nahrungsangebot. Probleme mache weiter der Kormoran.

Erstmals seit vier Jahren hätten die Felchen wieder über einen längeren Zeitraum ausreichend zu fressen, teilte der Obmann der bayerischen Berufsfischer, Roland Stohr, mit. Im Seewasser seien jetzt viele Kleinstlebewesen wie Daphnien und Hüpferlinge. Dadurch hätten die Felchen seit Mitte Mai bis zu 100 Gramm Gewicht zugenommen.

"Es tut den 'Fischerherzen' gut, endlich einmal wieder ein paar Felchen zu fangen und wieder etwas optimistisch in die Zukunft sehen zu können."

Statt 70 Tonnen Felchen nur noch 7,5 Tonnen

Wie lange der Effekt anhalte, sei jedoch nicht vorhersehbar. Die Bodenseefischer verzeichnen seit Jahren drastisch sinkende Fangerträge. 2010 hatten die bayerischen Bodenseeberufsfischer noch rund 70 Tonnen Felchen in den Netzen, im vergangenen Jahr waren es nur noch 7,5 Tonnen. Dieser Trend habe sich auch zu Beginn des Jahres 2020 fortgesetzt, so Stohr.

"Die aktuelle Situation zeigt deutlich, ohne Änderungen der Nährstoffverhältnisse im Bodensee wird es unter normalen Wetterbedingungen in den kommenden Jahren weiter keine Verbesserung der Gesamtsituation der Berufsfischerei geben, das Jahr 2020 wird sehr wahrscheinlich eine Ausnahme bleiben!"

Schuld daran ist nach Ansicht der Bodenseefischer auch der wachsende Bestand an felchenfressenden Kormoranen. Es gebe mittlerweile rund 3.000 Exemplare der unter Schutz stehenden Vogelart, so der Obmann der bayerischen Berufsfischer. Jeder Kormoran fresse etwa 400 Gramm Fisch pro Tag. Zusammengerechnet ergebe sich eine Menge, die deutlich über dem jährlichen Fangertrag aller Berufsfischer am Bodensee liege.

Kormorane (Foto: SWR)
Kormorane

"Ähnlich dem Trend im Jahr 2019 fliegen im Augenblick täglich jeden Morgen 500-800 Kormorane zur Jagd auf die Bayerische Halde und fallen dort über die sowieso schon geringen Fischbestände her!"

Die Berufsfischer fordern deshalb erneut einen Gesamtmanagemantplan für den "Fischräuber" Kormoran, also ein umfassendes Konzept, wie der wachsende Bestand eingegrenzt werden könne. Dieser Plan sollte auch die steigende Zahl an Haubentauchern berücksichtigen. Auch diese holten sich ihre Nahrung aus den Netzen der Bodenseefischer.

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