Wie sicher ist die Wasserversorgung trotz Klimawandel?

Bodensee-Wasser aus Sipplingen versorgt täglich vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg

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AUTOR/IN
Moritz Kluthe

Vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg von Überlingen bis zum Odenwald bekommen täglich Bodensee-Wasser aus dem Wasserhahn. Das soll auch trotz Klimawandel so bleiben.

Nahezu idyllisch liegt das Wasserwerk fast versteckt auf dem Sipplinger Berg (Bodenseekreis) in einem Wald. Der höchste Punkt in diesem Gebäudekomplex ist ein Rundbau aus Beton, wo das sogenannte Quellbecken untergebracht ist. Dort kommt das Bodensee-Wasser, das aus 60 Meter Tiefe geholt wurde, das erste Mal ans Licht. Es hat eine grünliche Farbe von allen möglichen Verschmutzungen wie Plankton und ist fünf Grad warm. "Im Moment werden circa 4.000 Liter pro Sekunde vom Seepumpwerk auf den Sipplinger Berg befördert", sagt Sabine Busjahn, Besucherführerin der Bodensee-Wasserversorung.

Klimawandel wirkt sich auch auf den Bodensee aus

Doch könnte durch den Klimawandel diese scheinbar unendliche Wasserquelle aus dem Bodensee nicht irgendwann mal austrocknen?

"Nein, die Befürchtung können wir ausräumen. Wasser, Schnee liegt in den Bergen. Dieses Jahr hat es wieder gut Nachschub gegeben."

Grünliches Wasser kommt aus dem Quellbecken des Wasserwerks in Sipplingen (Foto: Pressestelle, Bodensee-Wasserversorgung)
Im sogenannten Quellbecken untergebracht kommt das Bodenseewasser, das aus 60 Meter Tiefe geholt wurde, das erste Mal ans Licht. Pressestelle Bodensee-Wasserversorgung Bild in Detailansicht öffnen
In der Filterhalle sind 27 Becken, in denen das Wasser von letztem Schmutz befreit wird. Pressestelle Bodensee-Wasserversorgung Bild in Detailansicht öffnen
Im sogenannten Trinkwasserbehälter wird das nun trinkbare Wasser gelagert. picture alliance/dpa/Felix Kästle Bild in Detailansicht öffnen
Schließlich fließt es durch dicke Rohre zu den vier Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern von Überlingen bis zum Odenwald. Pressestelle Bodensee-Wasserversorgung Bild in Detailansicht öffnen

Der Klimawandel macht sich auch im Bodensee bemerkbar. Früher seien die Pegel im Winter niedrig gewesen und im Sommer hoch, nun gleiche sich das immer mehr an, sagt Busjahn. Dennoch verdunste deutlich mehr Wasser im See als durch die Bodenseewasser-Versorgung entnommen werde. Jährlich durchströmen 11,5 Milliarden Kubikmeter Wasser den Bodensee. Die Trinkwasser-Entnahme betrage etwas mehr als ein Prozent, heißt es von der Bodensee-Wasserversorgung.

Projekt Zukunftsquelle soll Wasserversorgung sicherer machen

Trotzdem bereitet sich auch die Bodensee-Wasserversorgung auf die Zukunft vor. Das bisherige Wasserwerk auf dem Sipplinger Berg ist mehr als 60 Jahre alt. Deshalb soll nun eine zweite Wasserentnahmestelle im Bodensee und ein weiteres Wasserwerk gebaut werden. Das Projekt trägt den Titel Zukunftsquelle.

"Ein Großprojekt, das man jetzt in Angriff nehmen muss. Der Klimawandel steht vor der Tür und ist nicht wieder aufzuhalten."

Für die weitere Wasseraufbereitung sind noch einige Schritte notwendig. Zunächst entfernen Mikrosiebe kleinste Algen, dann wird das Wasser mithilfe von Ozon, also hochaktivem Sauerstoff, entkeimt. Als Nächstes fließt das Wasser in die Filterhalle. In 27 gefliesten Einzelbecken passiert das Wasser sogenannte Partikelfilter, um es von Eintrübungen zu befreien.

Mitgliederstopp im Zweckverband der Bodensee-Wasserversorgung

Danach kommt das Wasser in die sogenannte Behälterkammer. Dort wird es noch etwas gechlort, bevor es durch dicke Rohre zu den Städten und Gemeinden gelangt, die am Bodensee-Wassernetz angeschlossen sind. Derzeit sind 183 Mitglieder im Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung organisiert. Der Verband ist nach dem sogenannten Solidaritätsprinzip organisiert.

Alle Mitglieder zahlen den gleichen Wasserpreis, die sogenannte Umlage. Diese soll lediglich die Kosten decken, aber keinen Gewinn erwirtschaften. Andere Städte und Gemeinden, die möglicherweise ihre Wasserversorgung nicht mehr aus eigenen Quellen sicherstellen können, kommen allerdings nicht so leicht an Bodensee-Wasser. Denn es gebe derzeit einen Aufnahmestopp, sagt Busjahn. Doch mit der geplanten Zukunftsquelle könne sich das wieder ändern.

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