Am Ufer des Bodensees bei Friedrichshafen. (Foto: SWR, Helen Dankemeyer)

Mit Seewasser heizen oder kühlen

Seethermie: Der Bodensee als alternative Energiequelle

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Experten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg sehen am Bodensee viel Potenzial für die Nutzung der sogenannten Seethermie. Dabei wird mit Seewasser geheizt oder gekühlt.

In Zeiten von steigenden Energiekosten und drohender Gasknappheit machen sich viele Kommunen und Energieversorger Gedanken über alternative Energiequellen. Am Bodensee wird deshalb derzeit über Seethermie diskutiert, teilweise dient der See schon als Energiequelle. Dafür wird Wasser aus dem Bodensee entnommen. Mithilfe eines Wärmetauschers kann es im Sommer zur Kühlung und im Winter zum Heizen genutzt werden - CO2 neutral und somit klimaschonend.

Uni Konstanz kühlt Hörsäle mit Seewasser

Die Universität Konstanz beispielsweise kühlt bereits seit Jahren mit Seewasser. Entnommen wird das Seewasser aus 54 Metern Tiefe, wo unabhängig von der Jahreszeit immer eine Temperatur von vier Grad herrscht. Gekühlt werden damit Lüftungs- und Klimageräte für die Bibliothek und die Hörsäle, Großgeräte in den Laboren und insbesondere das Rechenzentrum der Universität.

Gewässerschutz schränkt Bau von Anlagen ein

Der Bodensee biete viel Potenzial für die thermische Nutzung, heißt es von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Allerdings müssten einige Richtlinien der Internationalen Gewässerschutzkommission beachtet werden. Beispielsweise dürfen nur wenige genehmigte Anlagen am Ufer gebaut werden. Außerdem dürfe das Wasser nicht zu warm zurückgeleitet werden, um das Ökosystem nicht zu stören, heißt es von der LUBW weiter. Seewasser gehe durch die Technik nicht verloren. Die LUBW berät in Sachen Seewasserentnahme, wenn beispielsweise Kommunen ein Seethermie-Projekt planen.

Kanton Thurgau plant fünf Kraftwerke am See

Der Kanton Thurgau will laut einer Mitteilung bis zu fünf Seethermie-Kraftwerke bauen, um klimaneutral Energie zu gewinnen. Eine Studie des Kantons Thurgau zeigt, dass mehr als zehn Prozent der bisher durch Öl oder Gas gewonnenen Energie durch Seewärme ersetzt werden könnte.

Bregenzer Festspielhaus mit Seewasser kühlen

Auch in Bregenz sollen so künftig Gebäude geheizt und gekühlt werden. Der Bregenzer Stadtrat hat kürzlich grünes Licht für die Nutzung von Bodenseewasser für die Wärme- und Kälteversorgung gegeben. Wie die Stadt mitteilte, sollen künftig das neue Hallenbad und das Bregenzer Festspielhaus mit Seewasser geheizt beziehungsweise gekühlt werden. Die Stadt rechnet mit Kosten für den Bau der entsprechenden Anlagen von zehn Millionen Euro.

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