Das Diakonische Werk und das Sozialunternehmen die Zieglerschen sind die Veranstalter der Vesperkirche in Ravensburg. (Foto: SWR, Marion Kynaß)

Ehrenamtliche bieten Essen und Gespräche in der evangelischen Stadtkirche

Organisatoren trotz Corona zufrieden mit der Vesperkirche in Ravensburg

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Mittagessen, Kaffee und Kuchen - und vor allem Gespräche. Das bietet die Vesperkirche in der evangelischen Stadtkirche Ravensburg. Sie ist noch bis Sonntag geöffnet.

In Zeiten von Corona ist alles Mögliche schwieriger und komplizierter geworden. So auch das soziale Projekt "Vesperkirche", das eigentlich für eine offene Kirche steht, in der gemeinsam gegessen, geredet und gelacht wird. Dass das momentan schwierig ist, liegt auf der Hand.

Das Diakonische Werk und das Sozialunternehmen die Zieglerschen sind die Veranstalter der Vesperkirche in Ravensburg, sie haben in diesem Jahr deshalb auf ein Modell gesetzt, bei dem Menschen vor der Kirche ein Essen abholen können, das zuhause warm gemacht werden kann. In der Kirche gibt es Kaffee und Kuchen unter 2G-Plus-Bedingungen.

Vor der evangelischen Stadtkirche ist eine hellbraune Holzhütte aufgebaut, dekoriert mit ein paar Tannenzweigen. Drinnen stehen, dick eingepackt, zwei ehrenamtliche Helfer und geben das Mittagessen aus. Täglich ein vegetarisches und eines mit Fleisch. Sie sind in Folie eingeschweißt und mit einem Zettel versehen, auf dem eine genaue Anleitung steht, wie das ganze Zuhause warm gemacht werden soll. Hungrige kommen, nehmen das Essen entgegen und gehen wieder.

Es gibt aber nicht nur das Essen zum Mitnehmen, die evangelische Stadtkirche ist auch im Inneren belebt. Im Gegensatz zu den Vor-Corona Jahren ist nur das Seitenschiff bestuhlt. Unter 2G-Plus-Regeln gibt es hier Kaffee und Kuchen. Doch für die meisten Vesperkirchenbesucher ist es nicht nur ein Bedürfnis Hunger und Durst zu stillen - das Gespräch mit anderen, der Kontakt, ist ihnen wichtig.

Die Theke für Kuchen in der Vesperkirche Ravensburg. (Foto: SWR, Marion Kynaß)
Gespräche und Kontakte pflegen sind bei der Vesperkirche mindestens genauso wichtig wie Essen abholen. Marion Kynaß

Täglich sind 25 Ehrenamtliche im Einsatz, die Essen ausgeben, bedienen und zuhören. Insgesamt engagieren sich 230 Menschen für die Vesperkirche. Eine vor ihnen ist die 69-jährige Ursula Siegloch. Die ehemalige Lehrerin ist schon seit Jahren im Team und setzt sich gerne ein. Auch wenn es immer mal wieder zu anspruchsvollen Situationen kommen kann. Eine Begegnung mit einer Frau lässt sie nicht los:

"Es war sehr emotional. Die Dame hat geweint. Da war glücklicherweise an dem Tag ein Psychologe in der Kirche, da konnte ich Unterstützung holen."

Soziale Wärme, Probleme die besprochen und vielleicht sogar gelöst werden können. Das ist ein Baustein des Vesperkirchenkonzepts. So gibt es neben dem Essens-Angebot auch die Möglichkeit sich Haare schneiden zu lassen oder einen ärztlichen Rat einzuholen.

"Es ist einfach unheimlich gut, dass wir da sind und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen."

Auch wenn es in diesem Jahr alles mit mehr Abstand und etwas weniger Nähe stattfindet, sind die Organisatoren der Vesperkirche froh, dass das Konzept angenommen wird. Bis zu 300 Essen sind bisher täglich ausgeteilt worden.

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