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Die Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 sind auch Jahrzehnte danach noch in Oberschwaben zu spüren. Das Fleisch mancher Wildschweine in der Region ist so stark radioaktiv belastet, dass es nicht verkauft werden darf.

Die höchsten Werte in Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr bei Tieren aus den Landkreisen Biberach und Rastatt gemessen. In den betroffenen Jagdrevieren in Oberschwaben überschreiten etwa 20 Prozent der geschossenen Wildschweine den Grenzwert für radioaktives Cäsium. Immerhin sinken die Becquerel-Werte mit den Jahren immer weiter, so Dieter Mielke, Kreisjägermeister im Kreis Biberach. Die Einheit Becquerel gibt die radioaktive Belastung an.

"Wir hatten zu Anfangszeiten Werte von 3.000 bis 5.000 Becquerel. Mittlerweile sind wir bei maximal 1.500 bis 2.000 Becquerel."

Dieter Mielke, Kreisjägermeister im Kreis Biberach

Boden in Oberschwaben teils radioaktiv belastet

In den Wintermonaten seien noch 20 bis 30 Prozent der erlegten Wildschweine belastet, in den Sommermonaten seien es viel weniger, unter zehn Prozent. Grund ist, dass die Wildschweine im Sommer Nahrung oberhalb des Erdreichs finden, wie Mais oder Getreide. In Wintermonaten dagegen müssen sie nach Nahrung unter der Erde graben, unter anderem nach Pilzen. Nach der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe vor 35 Jahren ist der Boden in Oberschwaben allerdings teilweise noch radioaktiv belastet. Darüberhinaus sind unter anderem See in Oberschwaben teilweise noch durch Cäsium 137 verseucht, wie im nachfolgenden Audio-Beitrag von Karin Wehrheim nachzuhören ist. Die Region war besonders stark betroffen von radioaktivem Niederschlag nach der Atomkatastrophe.

Jedes erlegte Wildschwein in Oberschwaben wird untersucht

Wildschweine können deshalb besonders belastet sein, weil die Tiere gerne Hirschtrüffel fressen. Das sind unterirdisch wachsende Pilze, die Cäsium besonders gut anreichern. In Belastungsgebieten muss deshalb jedes erlegte Wildschwein untersucht werden. Wird der Grenzwert überschritten, darf das Fleisch nicht verkauft werden und wird entsorgt. Wildbret im Handel kann nach Behördenangaben bedenkenlos gegessen werden. Das gilt auch für selbst gesammelte Speisepilze.

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