Zwei Bauarbeiter mit Helm auf dem Kopf stehen auf einer Baustelle. (Foto: SWR)

Volle Auftragsbücher, aber keine Fachkräfte

Bauunternehmen in Oberschwaben suchen Auszubildende

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Der Fachkräftemangel wird auch für die Bauwirtschaft in Oberschwaben und am Bodensee ein immer größeres Problem. Ausbildungsplätze und Stellen bleiben unbesetzt.

Auszubildende und Facharbeiter für den Bau werden überall gesucht. 66 Prozent der Unternehmen finden für ihre offenen Stellen nicht die erforderlichen Arbeitskräfte, heißt es im aktuellen Fachkräftereport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Otto Birk, der Obermeister der Bauinnung im Kreis Ravensburg, sagte gegenüber dem SWR, es sei schwierig, junge Leute für einen Beruf auf dem Bau zu begeistern.

Viele offene Ausbildungsplätze

Laut Handwerkskammer Ulm, die auch für Betriebe in den Landkreisen Biberach, Ravensburg und Bodensee zuständig ist, gibt es in der Baubranche besonders viele unbesetzte Ausbildungsplätze. So sind aktuell im Kreis Biberach 14 Lehrstellen für Zimmerer und neun für Maurer nicht besetzt. Im Kreis Ravensburg fehlen zwölf Auszubildende für den Stuckateurberuf.

Dabei sei etwa Maurer ein "toller Beruf", sagt Birk. "Arbeiten im Freien, an der frischen Luft - und abends sehen, was geschafft worden ist", das sei wunderbar, meint Gerald Fischbach, der in Wangen im Allgäu ein Bauunternehmen mit rund 25 Beschäftigten hat. Einer von ihnen ist Luis Bock, der eine Ausbildung zum Maurer macht. SWR-Reporter Wolfgang Wanner hat ihn auf der Baustelle besucht:

Erst Praktikum, dann Ausbildung

Luis Bock lernt seit September im Bauunternehmen von Gerald Fischbach. Er sei schon als kleiner Bub beim Nachbarn gewesen und habe zugeschaut, wie das Haus gebaut worden sei, erzählt der 16-Jährige. In der achten Klasse habe er dann bei der Firma Fischbach ein Praktikum gemacht, "und dann habe ich entschieden, dass ich die Ausbildung mache".

"Das Wetter macht mir nichts aus. Ich bin gerne draußen, auch wenn es regnet. Ich bin auch daheim viel draußen."

Ein Maurer-Azubi wie Luis Bock erhält im ersten Ausbildungsjahr derzeit 905 Euro, im zweiten sind es 1.230 Euro und im dritten 1.495 Euro, so die Auskunft der Ravensburger Bauinnung. Ins Berufsleben steige ein ausgebildeter Maurer mit etwa 3.000 Euro ein, weiß der  Obermeister der Bauinnung Ravensburg, Otto Birk.

Großer Fachkräftebedarf in den Betrieben

Maurer wie andere Bauberufe sind gefragt. Denn die Auftragsbücher der Betriebe sind voll. Doch die Unternehmen finden in der Regel nicht die Fachkräfte, die sie brauchen. Was bedeutet, dass die Betriebe irgendwie versuchen müssen, die Auftragsbestände abzuarbeiten, sagt der Ravensburger Obermeister Birk. Das Problem werde sich in den kommenden Jahren verschärfen, meint er. Und der DIHK befürchtet, dass deswegen die Belegschaften in den Baubetrieben mehr arbeiten müssen und die Arbeitskosten steigen.

"Wenn ich keine Fachkräfte mehr herbringe, dann kann ich meinen Laden über kurz oder lang dicht machen."

Junge Leute für das Baugewerbe zu gewinnen sei schwierig, sagen die Unternehmer. Viele scheuten die Arbeit, weil es auch mal regnen oder kalt sein könne. Oft heiße es auch von Seiten der Eltern oder Lehrer, "Du musst was Besseres werden", kritisiert Otto Birk.

Der fehlende Nachwuchs bei den Maurern gefährdet im Kreis Ravensburg auch die begleitende Schulausbildung an der Geschwister-Scholl-Schule in Leutkirch. 16 Plätze ständen zur Verfügung, zwischen 15 und elf seien in den einzelnen Ausbildungsjahrgängen derzeit nur besetzt. Aber auch die Betriebe blicken mit Sorge in ihre Zukunft. Bauunternehmer Fischbach sagt: "Ich will eigentlich den Betrieb, der in dritter Generation besteht, weiterführen. Und dafür brauche ich Auszubildende."

Junge Vietnamesen werden Maurer

Innungsobermeister Otto Birk versucht in seiner Firma in Aitrach (Kreis Ravensburg) mit 70 Beschäftigten etwas gegen die Ausbildungsmisere zu tun. Er bildet in Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolph Aich in Ravensburg drei junge Vietnamesen zum Maurer aus, die dazu eigens aus ihrer Heimat nach Deutschland in die Region Allgäu-Oberschwaben gekommen sind. Auch Gerald Fischbach hat in seinem Baunternehmen eine Lehrstelle mit einem jungen Mann aus Vietnam besetzt.

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