Am Tag der Bundestagswahl haben die Bürgerinnen und Bürger in Bad Wurzach (Kreis Ravensburg) auch über die Frage abgestimmt, ob ein Aussichtsturm im Wurzacher Ried gebaut werden soll. Jetzt ist klar: Der umstrittene Turm wird nicht kommen. 68,04 Prozent der 11.500 Wahlberechtigten sprachen sich laut Stadt gegen den Bau des Turms aus und 31,96 Prozent dafür. Das Projekt war in Bad Wurzach umstritten. Die Frage des Bürgerentscheids lautete:
Sind Sie dafür, den Gemeinderatsbeschluss (Baubeschluss) "Naturerlebnis- und Beobachtungsturm im Wurzacher Ried" vom 13.05.2024 aufzuheben und damit gegen den Bau eines Naturerlebnis- und Beobachtungsturms im Wurzacher Ried?
Es ging um eine 40 Meter hohe Holzkonstruktion mit Ausblick auf das Wurzacher Ried. Der Aussichtsturm sollte im ehemaligen Haidgauer Torfwerk entstehen. Hier wurde bis in die 1960er-Jahre industrieller Torfabbau betrieben. Der Bereich ist bisher nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Standort biete einen Einblick in die unterschiedlichen Lebensbereiche des Riedes und man überblicke von dort die Moorlandschaft, heißt es auf der Webseite der Stadt. Sie hatte unterschiedliche Standorte prüfen lassen.
Gegner kritisierten hohe Kosten
Die Gegnerinnen und Gegner des Turmprojekts sahen unter anderem den Naturschutz in Gefahr. Seltene Vogelarten könnten sich durch Besucherinnen und Besucher im Ried gestört fühlen. Ein weiteres Argument der Turm-Gegner, die eine Bürgerinitiative gegründet haben, waren die Kosten. Rund vier Millionen Euro sollte das Projekt insgesamt kosten. Das sei Steuergeldverschwendung, sagt Herbert Birk, der Gründer der Bürgerinitiative. Es müsse in Bad Wurzach zunächst das Bestehende erhalten werden. Das Geld fehle dann an anderen Stellen.
Gemeinderat erhoffte sich Mehrwert
Der Gemeinderat von Bad Wurzach war geschlossen für den Aussichtsturm. Man erhoffe sich einen Mehrwert für die Stadt, sagte Emina Wiest, CDU-Gemeinderätin, im Vorfeld der Abstimmung. Der Aussichtsturm sollte Touristen und Naturliebhaber nach Bad Wurzach locken und so der Stadt Einnahmen bringen. Außerdem sei ein Großteil der Kosten über Zuschüsse vom Land gedeckt. Die Stadt hätte nach Angaben eines Sprechers rund 700.000 Euro aufwenden müssen. Außerdem gebe es auch Unterstützer aus dem Naturschutz. Das Projekt sei als Idee aus den Reihen des Naturschutzes entstanden.
Lange Diskussion: Bürgerentscheid sollte Schlusspunkt setzen
Mehr als zehn Jahre wurde bereits über den Aussichtsturm im Wurzacher Ried gesprochen. Zuletzt stieß das Projekt auf Kritik in der Bürgerschaft. Für das Bürgerbegehren hatte die Bürgerinitiative gegen den Turm rund 4.000 Unterschriften gesammelt und eingebracht. Die Bürgermeisterin der Stadt, Alexandra Scherer (CDU), positionierte sich neutral in der Turm-Frage. Es sei wichtig, dass am Sonntag nach langen Diskussionen endlich eine Entscheidung falle.
So war im Vorfeld des Bürgerentscheids berichtet worden: