Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Maßnahmen und Pläne von Energieversorgern

Welche Gefahren in der Region Bodensee-Oberschwaben bei Gas-Knappheit drohen

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Friederike Fiehler

Wie gut ist die Region Bodensee-Oberschwaben tatsächlich auf einen Gas-Engpass vorbereitet? Und welche Szenarien könnten drohen? Vertreter regionaler Stadtwerke schätzen die Lage ein.

Für die Stadtwerke in der Region Bodensee-Oberschwaben ist der Blick in die Zukunft wie ein Blick in eine Glaskugel. Auch sie können nicht vorhersagen, wie drastisch sich die Energiekrise im Herbst und Winter auf die Haushalte in der Region auswirken wird, erklärte Michael Müller, Leiter der Energienetze der Stadtwerke Konstanz.

"Fakt ist: Wenn es ein kalter Winter wird und die Versorgungssituation bis dorthin nicht besser wird, dann wird es sicher Auswirkungen geben, die die Industrie und auch Privathaushalte betreffen.“

Bei Engpässen würden Privathaushalte zuletzt vom Gas abgeschnitten

Man sei aber auf das Schlimmste vorbereitet, so Müller. Es gebe Krisenszenarien und Listen, die in einem Fall eines akuten Notstandes abgearbeitet würden. Zuerst würde die Industrie vom Netz genommen, dann per Gesetz nicht geschützte Kunden, wie Unternehmen, und in einem letzten Schritt private Haushalte oder ganze Stadtteile.

Beim Stadtwerk am See in Friedrichshafen gibt es ebenfalls entsprechende Szenarien, man sei auch schon in Gesprächen mit der Großindustrie, so Mark Kreuscher vom Stadtwerk am See. Man habe im Zuge der ausgerufenen Alarmstufe Gespräche mit der Großindustrie und den größten Abnehmern geführt, um zu sensibilisieren, im regelmäßigen Austausch zu sein und Alternativen zu suchen.

Auch der Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung schätzt im Gespräch mit SWR-Moderatorin Rebecca Lüer die Lage bei Gas-Knappheit in der Bodenseeregion ein. Abschaltungen müssten durch Energiesparen verhindert werden. Auch er versuche, Energie zu sparen, wo es möglich ist, sagte er.

Überlastung der Stromnetze könnte drohen

Sollte es so weit kommen, dass private Haushalte vom Gas abgekappt werden, gilt ein flächendeckender totaler Stromausfall durch eine Überlastung der Stromnetze als weiteres Schreckensszenario. Ein Grund für einen solchen sogenannten Blackout könnte sein, dass viele Menschen gleichzeitig ihre Wohnung mit strombetriebenen Heizlüftern oder Radiatoren heizen.

Der ORF berichtet, dass die Supermarktkette SPAR in Österreich ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bereits auf einen möglichen Strom-Blackout vorbereite.

Stadtwerke halten großen Blackout für unwahrscheinlich

Der Experte der Stadtwerke Konstanz Müller hält einen kompletten Blackout aber für unwahrscheinlich:

"Wenn ganze Stadtteile im Gasbereich abgetrennt werden müssten, dann könnte es teilweise zu Überlastungen der Stromnetze kommen."

Einen bundesweiten oder europaweiten Blackout halte er für unwahrscheinlich, so Müller. Es gebe Mechanismen, die dafür sorgen, dass das Netz wieder ins Gleichgewicht komme. Auch Mark Kreuscher vom Stadtwerk am See in Friedrichshafen sieht in Sachen Strom-Blackout vorerst keinen Grund zur Besorgnis. Er glaubt, dass aktuell die Netze stabil seien, da man auch im europäischen Austausch sei.

Sollte es zu Schwankungen im Stromnetz kommen, gebe es auch hier Krisenszenarien, die greifen würden, so der Netz-Experte des Stadtwerks am See. Dringlicher sei jetzt jedoch, sich auf eine drohende Gas-Knappheit vorzubereiten. Vor allem vor dem Hintergrund, dass aufgrund angekündigter Wartungsarbeiten derzeit kein russisches Gas durch die Ostsee-Pipeline "Nord Stream 1" fließt.

Gasversorgung dieses Jahr sicher

"Auch, wenn der Gasfluss nicht wieder aktiviert wird, werden wir in diesem Jahr noch ganz entspannt durchkommen mit dem Gas. Was im neuen Jahr passiert, im Januar und Februar, müssen wir dann schauen."

Wenn der Gasfluss weiter ausbleiben sollte, wären einschneidende Szenarien in Deutschland denkbar, die alle Branchen betreffen könnten, so Kreuscher.

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