Die "Landshut", 1977 von Terroristen entführt, soll Teil einer Ausstellung in Friedrichshafen werden. (Foto: SWR, Isabel Heine)

Pädagogisches Konzept in Arbeit

"Landshut" soll am Flughafen Friedrichshafen bleiben

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Die 1977 von Terroristen entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" soll am Flughafen Friedrichshafen bleiben. Die Bundeszentrale für politische Bildung erarbeitet derzeit ein Ausstellungskonzept für das Flugzeugwrack.

In Friedrichshafen informierten sich am Montag eine Vertreterin der Bundeszentrale für politische Bildung sowie der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Rolf Mützenich, über den Stand der Planung in Sachen "Landshut". SWR-Reporterin Isabel Heine war beim Ortstermin dabei:

Finanzierung lange ungeklärt

Die Boeing war 2017 nach Friedrichshafen transportiert worden. Nach den Plänen des damaligen Museumschefs David Dornier sollte die "Landshut"-Ausstellung bereits 2018 fertig sein. Die Finanzierung des Projektes blieb aber lange ungeklärt. Seit vergangenem Jahr steht fest, dass der Bund 15 Millionen Euro bereitstellt. Geplant ist ein Lern- und Bildungsort für junge Menschen, der die Ereignisse rund um den sogenannten "Deutschen Herbst" beleuchtet - eine Zeit, die geprägt war von den Anschlägen der Rote Armee Fraktion (RAF).

Das Cockpit der "Landshut". (Foto: SWR, Isabel Heine)
Das Cockpit der "Landshut". Isabel Heine

"Lernort" auf dem Flughafengelände

Martin Gerster, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Biberach, hatte sich im Haushaltsausschuss des Bundestags für das Projekt "Landshut" am Standort Bodensee eingesetzt. Er und auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Norbert Zeller, wollen, dass die Maschine am Flughafen bleibt. Kürzlich beschloss der Kreistag, das Flughafengelände anteilig zu kaufen. Hier fände sich ein Platz für den Lernort "Landshut".

Ein Umzug nach Berlin oder Bonn, wie aus Kreisen der Politik und von ehemaligen Geiseln gefordert, macht in Gersters Augen keinen Sinn. Eine erneute Verlagerung der Maschine wäre kostspielig und würde bedeuten, dass die Maschine weiteren Schaden nimmt. Wie der Lernort "Landshut" in Friedrichshafen aussehen soll, darum kümmert sich die Bundeszentrale für politische Bildung. Von Bonn aus arbeitet ein Team bereits an einem pädagogischen Konzept.

Zeugnis deutscher Geschichte

Die "Landshut" wurde im Oktober 1977 mit 91 Passagieren an Bord von palästinensischen Terroristen entführt, die mit der Aktion die Freiheit der Mitglieder der linksextremistischen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) um Andreas Baader und Gudrun Ensslin erpressen wollten. In Mogadischu (Somalia) wurde die Maschine von Spezialkräften der GSG 9 gestürmt. Bei der Aktion wurden drei Geiselnehmer getötet. Die Geiseln überlebten, bis auf den Flugkapitän, der von den Geiselnehmern erschossen worden war. Der Vorfall ist einer der bedeutendsten Anti-Terror-Einsätze der bundesdeutschen Geschichte.

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