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Erstmals werden in Deutschland Bilder von der in Bern geborenen und zeitlebens in Paris wirkenden Impressionistin Martha Stettler gezeigt. Die Ausstellung auf Schloss Achberg (Kreis Ravensburg) gibt einen Einblick in ihr Werk und zeigt auch ein Stück Frauengeschichte zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die 1870 im schweizerischen Bern geborene Martha Stettler absolvierte zunächst ein Kunststudium in Bern und Genf. Mit 23 Jahren übersiedelte sie nach Paris, wo sie bis zu ihrem Tod 1945 blieb. Ein Grund dafür war, dass sie dort Aktzeichnen durfte, was Frauen sonst verboten war.

Selbstbestimmtes Leben in Paris

Martha Stettler machte viele Studien und Vorarbeiten für größere Ölbilder. Viele Bilder zeigen Kinderszenen in Pariser Parks. Sie malte auch Stillleben und Landschaften, oft waren die Schweizer Berge ihr Motiv, die sie ab 1900 oft bestiegen hat. Direkt vor Ort entstanden unzählige Ölstudien auf handlichen Holztafeln unterschiedlichen Formats.

Kunstschule gegründet

Zusammen mit ihrer deutsch-lettischen Lebenspartnerin Alice Dannenberg, mit der sie ihr ganzes Leben verbrachte, gründete und leitete sie eine der bedeutendsten Pariser Kunstschulen, die Academie de la Grand Chaumiere. Eine ungewöhnliche Frauenbiografie für die damalige Zeit, sagt Michael Maurer von der Kulturstätte Schloss Achberg.

Rund 150 Bilder sind auf Schloss Achberg zu sehen. Besuchern darf die Ausstellung "Martha Stettler, eine Schweizer Impressionistin in Paris" aber erst gezeigt werden, wenn es die Corona-Zahlen zulassen. Aktuelle Informationen auf der Internetseite von Schloss Achberg.

Martha Stettler (Foto: SWR, Thea Thomiczek)
Oft geht Martha Stettler in den städtischen Parkanlagen von Paris auf Motivsuche, insbesondere in den Jardin du Luxembourg, den Jardin des Tuileries und den Schlosspark von Versailles. Dort malt sie Kinder mit deren Betreuerinnen oder in Begleitung ihrer Mütter. Thea Thomiczek Bild in Detailansicht öffnen
Der Garten dient der Malerin als Rückzugsort vom städtischen Treiben. Seine Darstellung vermittelt ein Bild von Geborgenheit innerhalb einer großstädtischen Welt. Thea Thomiczek Bild in Detailansicht öffnen
Martha Stettlers Innenraumbilder haben oft auch Stillleben-Charakter. Sie zeigen stille, friedliche Szenen und alltägliche, unspektakuläre Ereignisse, wie das spielende Mädchen in "Enfant et poupée", um 1905. Thea Thomiczek Bild in Detailansicht öffnen
Die Katzenliebe von Martha Stettler ist legendär. Gemeinsam mit Alice Dannenberg hält sie bis zu acht Tiere, die überall im Haus geduldet sind. Thea Thomiczek Bild in Detailansicht öffnen
Ab 1900 unternimmt Martha Stettler, meistens begleitet von ihrer Schwester Sarah oder ihrer Freundin Alice Dannenberg, Ausflüge in die Berge. Direkt vor Ort entstehen unzählige Ölstudien auf handlichen Holztafeln unter schiedlichen Formats. Thea Thomiczek Bild in Detailansicht öffnen
Martha Stettler mit ihrer Lebenspartnerin, der Malerin Alice Dannenberg. Thea Thomiczek Bild in Detailansicht öffnen

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